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Kampf ums Überleben Behindertensportverein fehlen junge Mitglieder
Von Michael Nittel Reinickendorf. In diesen Tagen versammeln sich wieder Millionen von Menschen jeden Alters vor den Fernsehschirmen und verfolgen begeistert die Olympischen Spiele. Das wird bei den Winter-Paralympics, die vom 12. bis 21. März ebenfalls in Vancouver ausgetragen werden, nicht anders sein. Doch während die Sportbegeisterung bei jungen Menschen ungebrochen scheint, fragt sich der eine oder andere Klub verzweifelt: Warum kommen sie nicht in die Vereine? Beim Behinderten-Sportverein (BSV) Wedding-Reinickendorf, der sich seit nun mehr 56 Jahren um die Belange körperlich und geistig behinderter Sportler aller Altersklassen im Norden Berlins kümmert, ist das nicht anders: „Wenn wir nicht irgendwann wieder mehr junge Menschen für unseren Klub und unsere Sportangebote begeistern können, sterben wir aus“, erklärte der Vorsitzende Heinz-Lothar Kirchner mit Augenzwinkern, aber ernstem Unterton. In der Tat: Der Klub hat 346 Mitglieder. Der Altersdurchschnitt liegt bei rund 63 Jahren. „Menschen im Alter von über 50 Jahren zu finden, ist für uns überhaupt kein Problem. Aber: Was wir, wie jeder Klub, brauchen, ist eine gesunde Durchmischung.“ Doch wo liegt das Problem? „Junge Menschen, ob behindert oder nicht, beschäftigen sich heutzutage mit so vielen interessanten Dingen, dass sie überhaupt nicht darauf kommen, dass Bewegung für sie von Bedeutung sein könnte“, glaubt Peter Barz, ehemaliger Vorsitzender und Leiter der Abteilung Tischtennis. Der 63-jährige Kirchner ist seit 45, der 68-jährige Barz schon seit 52 Jahren im Klub. Das älteste Mitglied ist der 101-jährige Eldor Tißmer, der erst mit 100 Jahren eingetreten war und regelmäßig die Warmwasser-Gymnastik besucht. Der einzige Sektor, in dem der Klub kein Nachwuchsproblem hat, sind die geistig Behinderten. Zurzeit leistet der BSV für 46 dieser Menschen herausragende Arbeit. „Viele körperlich Behinderte treten heutzutage so genannten normalen Vereinen bei, weil viele von ihnen adäquate Angebote machen. Oder die Menschen organisieren sich selbständig“, haderte Kirchner. Dabei kann der BSV sportlich auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurückblicken: Allein Peter Barz wurde unzählige Male Deutscher Meister im Tischtennis. In der Vergangenheit gab es auch Teilnehmer an den Paralympics. Doch die Verhältnisse haben sich mittlerweile verschoben: Heute ist der Klub zu großen Teilen auf den Breitensport ausgerichtet. „Was aber nicht heißt, dass wir Talente, die zu uns kommen, nicht auch entsprechend fördern“, erklärte Kirchner. So gehört Dominic Perbey dem Kader der Deutschen Tischtennis-Nationalmannschaft an. Der heute 25-Jährige war mit 14 Jahren dem Klub beigetreten. Und er sei – so Barz – ein tolles Beispiel dafür, welche Funktion der Sport im Verein über die reine Leistung hinaus besitzt: „Ein selbstbewusster Mensch zu werden, eine Persönlichkeit zu entwickeln, gelingt am besten in einem Sportverein. In dieser Gemeinschaft gelingt es am ehesten, über Schwächen oder Handicaps des Einzelnen hinweg zu sehen. Behindertensport ist Lebensqualität.“ Wohin führt nun der Weg des BSV? „Wenn es uns gelingt, wieder ein Talent in unseren Reihen zu haben, könnte dieser Mensch als Aushängeschild fungieren. Und dann würden vielleicht auch wieder mehr junge Leute unter 50 Jahren zu uns kommen“, hoff Barz. Und Kirchner ergänzte: „Ich wünsche mir, dass wir irgendwann wieder ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistungs- und Breitensport erreichen. Dann sollte die Zukunft unseres Klubs gesichert sein.“ Nähere Informationen zum Sportangebot des BSV finden Interessierte unter www.bsvwr.de. |
