Freier Journalist

Behindertensport bedeutet Lebensqualität

Klub im Norden Berlins sucht dringend neue Mitglieder

 

Von Michael Nittel

Berlin. Der Behinderten-Sportverein (BSV) Wedding-Reinickendorf kümmert sich seit 54 Jahren um die Belange körperlich und geistig behinderter Sportler aller Altersklassen im Norden Berlins. Doch den Klub plagt ein großes Problem: Der Altersschnitt liegt mittlerweile bei 64 Jahren – dem BSV geht allmählich der Nachwuchs aus.

„Viele vor allem junge Leute wissen es einfach nicht. Aber Behindertensport kann für viele Menschen Lebensqualität bedeuten“, erläuterte der Vorsitzende Peter Barz. Der 67-Jährige, der diesen Posten seit nun mehr 20 Jahren bekleidet, ist seit 50 Jahren im Verein und noch heute begeistertes Mitglied der Tischtennis-Abteilung. „Wir Älteren haben an uns beobachtet, wie toll man sich durch seinen Sport im Leben, aber auch in seiner Disziplin selbst behaupten kann“, ergänzte der mehrfache Deutsche- und Europameister, der bereits mit 17 Jahren an den ersten Deutschen Titelkämpfen für Behinderte nach dem Zweiten Weltkrieg teilgenommen hatte.

Zurzeit hat der Klub 325 Mitglieder, die sich auf die Abteilungen Tischtennis, Schwimmen, Leichtathletik und Gymnastik wie Rückenschule und Herz-Kreislauf-Training verteilen. Insgesamt gibt es in Berlin rund 18.000 behinderte Sportler.

Das Hauptaugenmerk beim BSV liegt zwar auf dem Breiten- und Gesundheitssportsektor. Aber auch allen leistungsorientierten Athleten, die sich in ihrem Sport entwickeln möchten, wird ein Platz geboten: „Im Tischtennis sind wir eigentlich der Verein in Berlin, der Sportlern die Möglichkeit bietet, auch an Deutschen Meisterschaften teilzunehmen.“ Der 24-jährige Dominic Perbey ist mittlerweile sogar Mitglied des Kaders der Deutschen Nationalmannschaft. „Er ist ein tolles Beispiel dafür, wie gut sich auch junge Menschen bei uns aufgehoben fühlen können.“

Ohnehin glaubt Barz, dass das Nachwuchsproblem seines Klubs ähnliche Ursachen habe, wie auch bei Vereinen für Nichtbehinderte: „Die meisten Jugendlichen studieren die Welt heutzutage doch durch die Mattscheibe und glauben, damit alles schon mal gesehen zu haben.“ Dieses Denken möchte Barz überwinden: „Die Probleme, die entstehen, wenn man sich nicht oder in zu geringem Maß bewegt, sind hinlänglich bekannt – das gilt für Behinderte wie Nichtbehinderte.“ Doch darüber hinaus sei die soziale Komponente des Sports nicht zu unterschätzen: „Einige Behinderte neigen dazu, sich ihrem Schicksal zu fügen, sich zu verstecken, nicht offen mit ihrer Behinderung umzugehen. Vielleicht haben sie auch einfach nur Angst, dass sie bestimmte Dinge, wie einen Sport, nicht mehr hinbekommen. Das alles können sie bei uns überwinden.“ Zudem seien das Erlebnis der Gemeinschaft oder der Austausch über den Alltag eines Behinderten gute Gründe für den Verein. „Oder man schließt einfach eine Freundschaft fürs Leben“, ergänzte Barz und blickte dabei zu seinem langjährigen Doppelpartner, dem 77-jährigen Horst Nehls herüber.  Der BSV sucht Frauen und Männer, Jugendliche und Erwachsene jeden Alters – mit körperlicher oder geistiger Behinderung. Einzige Voraussetzung: Spaß am Sport und an der Gemeinschaft. Aber auch allen Nichtbehinderten steht es offen, Mitglied im BSV zu werden. „In erster Linie richten wir dieses Angebot an die Partner der behinderten Sportler oder Familienmitglieder, damit sie bei uns die Möglichkeit bekommen, gemeinsam ihre Freizeit zu gestalten, zusammen Sport zu treiben“. Barz betonte aber auch, dass der Klub seinem Anspruch als Behinderten-Sportverein auch in Zukunft gerecht werden möchte: „Unsere Politik ist so, dass wir nicht plötzlich in unserem eigenen Verein eine Minderheit darstellen.“ Alle Interessierten erhalten unter www.bsvwr.de nähere Informationen zum Klub und seinen Angeboten.