Freier Journalist

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Ein bisschen Schach und viel Bewegung

Von der Faszination des Fechtens und dem weltweit größten Degenturnier

 

Von Michael Nittel

 

Wilmersdorf. Am Sonnabend und Sonntag lädt der Fecht-Club Grunewald wieder zum weltweit größten Degen-Einzelturnier, dem 49. Weißer Bär von Berlin. Über 250 Fechter aus 25 Nationen werden im Horst-Korber-Sportzentrum sowie im Kuppelsaal im Haus des Sports um den Titel und wichtige Ranglistenpunkte kämpfen.

„Wir sind sehr stolz, so ein Turnier Jahr für Jahr auf die Beine zu stellen“, freute sich Ulrike Ogrowsky, Referentin für Finanzen. „Für unseren Klub, aber auch die Fechtszene, ist es ein absoluter Höhepunkt.“

Während sich am Wochenende also die Weltelite der Erwachsenen ein Stelldichein geben wird, ist man beim Fecht-Club hingegen froh, dass das Gros der Mitglieder Kinder und Jugendliche sind. Insgesamt sind über 200 Mitglieder aktiv. Knapp 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind Mädchen. „Mit der Zahl unserer Kinder und Jugendlichen sind wir zurzeit sehr zufrieden. Das war aber nicht immer so“, erläuterte Ulrike Ogrowsky. Besonders die jüngsten Erfolge bei den Olympischen Spielen in Peking, die Goldmedaillen durch Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink und die daraus resultierende Medienpräsenz, hätten für wachsende Zahlen im Nachwuchsbereich gesorgt. „In schlechteren Zeiten haben wir viel Anfänger-Werbung machen müssen. Im Moment strömen sie aber von ganz allein zu uns.“

Was nicht weiter verwundert, ist doch das Fechten eine ganz besondere Form des Zweikampfes. Davon ist Trainer Gennadi Pasichnyk überzeugt: „Ich muss meinen Gegner provozieren, ihn dazu bringen, dass er macht was ich will. Fechten ist wie Schach spielen, nur dass man sich dabei auch noch viel bewegen muss.“

Der Verein hat sich zu gleichen Teilen dem Breiten- und Spitzensport verschrieben. „Es gibt viele, die diesen Sport betreiben, um sich einfach ein wenig zu bewegen und Spaß zu haben. Wir freuen uns aber über jeden, der intensiv trainiert, um voranzukommen und sich auch in Wettkämpfen regelmäßig mit anderen misst“, erläuterte Ulrike Ogrowsky. Eine Hand voll Nachwuchs-Fechter tritt regelmäßig bei Deutschen Meisterschaften und internationalen Turnieren an. In der 59-jährigen Geschichte des Klubs konnte so auch schon der eine oder andere Titel errungen werden. „Ich würde mich freuen, wenn wir aber noch mehr junge Sportler finden würden, die nicht nur aus Spaß fechten, sondern ein Ziel verfolgen und dafür hart arbeiten“, wünschte sich Coach Pasichnyk. Und alle, die befürchten, dass beim Fechten die Verletzungsgefahr groß sei, kann der Trainer beruhigen: „Natürlich bekommt man wie in jedem Sport auch schon mal blaue Flecken. Aber unser Sportgerät, Waffe, Maske und Kleidung, haben sich so hervorragend entwickelt, das statistisch weniger passiert als zum Beispiel beim Fußball.“

Der Fecht-Club bietet interessierten Kindern ab sechs Jahren, in geprüften Einzelfällen auch jünger, Jugendlichen und Erwachsenen als einziger Klub in Berlin an, alle drei Waffen – Degen, Florett und Säbel – zu erlernen. „Niemand, der zu uns kommen möchte, muss über besondere Fähigkeiten verfügen“, merkte Coach Pasichnyk an. „Manchmal klappen zu Beginn die einfachsten Bewegungen nicht. Und nach einem halben Jahr stellen wir dann doch fest, dass jemand durchaus talentiert ist.“ Trainingsort ist an fünf Tagen in der Woche die Sporthalle der Rudolf-Diesel-Oberschule. Nähere Informationen zum Fecht-Club und zum 49. Weißer Bär finden Interessierte auch unter www.Fechtclubgrunewald.de.