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„Den Ball beherrschen“

Tischfußball – ein Sport für flinke Hände und einen wachen Geist

 

Von Michael Nittel

Berlin. Danny`s Kickerparadies, amtierender Berliner Meister im Tischfußball, ist erfolgreich in die neue Spielzeit der Landesliga gestartet: Alle drei bisherigen Spiele wurden gewonnen. Die Mannschaft aus Moabit kennt auch in diesem Jahr nur ein Ziel: die Titelverteidigung. Auch in der 2. Bundesliga, die parallel ausgetragen wird, spielt man nach drei Siegen, einem Remis und drei Niederlagen bis dato eine ordentliche Rolle.

Danny`s Kickerparadies ist die erste von drei Mannschaften, die für den Klub TFF Kickerparadies Berlin am Spielbetrieb des Tischfußballverbandes Berlin (TFVB) teilnehmen. Dem Verein gehören zurzeit 20 Mitglieder im Alter von 17 bis 65 Jahren an. „In unserem Sport ist es tatsächlich möglich, dass sich Menschen in so unterschiedlichem Alter unabhängig ihres Geschlechtes auf Augenhöhe begegnen und jeder von ihnen nahezu die gleichen Chancen hat, das Spiel zu gewinnen“, plädierte Nicole Schünemann, Vorsitzende und Aktive beim Kickerparadies. Sie ist eine von drei Frauen im Klub. „Frauen müssen sich im Gegensatz zu Männern nicht immer beweisen“, erläuterte die 26-Jährige diesen Fakt augenzwinkernd. Dem TFVB, der im Jahr 2006 von Sven Nickel, Spieler bei TFF und Präsident des Verbandes, gegründet wurde, gehören mittlerweile 17 Vereine mit insgesamt 380 Aktiven an – darunter rund zehn Prozent Frauen. Zum Vergleich: Dem Deutschen Tischfußballbund (DTFB), der sich bereits 1963 gründete, gehören zurzeit rund 4600 Tischfußballspieler an.

„Meine Vision ist, dass wir irgendwann eine sechsstellige Zahl an Aktiven bundesweit haben werden“, hofft Nickel, der  auch Vizepräsident des DTFB ist.

Drei Berliner Meisterschaften wurden bislang ausgespielt – dreimal sicherte sich das Kickerparadies diesen Titel.

Doch welche Voraussetzungen braucht man, um ein guter Tischfußballspieler zu sein?

„Man benötigt eine gute Hand-Augen-Koordination“, erläuterte Nicole Schünemann. Eine hohe Geschicklichkeit sei das Wesentliche – Kraft spiele eine untergeordnete Rolle. Zudem sei Konzentrationsfähigkeit und Nervenstärke zwingend erforderlich, ergänzte Nickel. „Man kommt irgendwann unweigerlich an einen Punkt, an dem das Spiel nur noch im Kopf gewonnen oder verloren wird.“

Diese Kombination aus Spiel und Psychologie motiviert und fasziniert. Darüber hinaus ist Tischfußball sowohl Individual- als auch Mannschaftssport. Nicole Schünemann mit einem Plädoyer für ihre liebste Beschäftigung: „Zum einen fasziniert mich die unmittelbare Nähe zu meinem Gegner – zum anderen der ständige Wechsel der Emotionen: in der einen Sekunde schießt man ein Tor und steht kurz vor dem Sieg, um nur kurze Zeit später den einen oder anderen Treffer zu fangen und doch noch zu verlieren. Man will den Ball beherrschen und ihm zeigen, wo er hingehört: ins Tor.“

Allerdings drückt an einer Stelle dann doch der Schuh: „Dem Tischfußball haftet immer noch das Klischee an, Kneipensport zu sein. Vielleicht ist das auch der Grund, warum momentan so wenig Jugendliche bei uns sind“, beschrieb Nickel die Situation. Man wolle aber nicht nur daran arbeiten, dieses Klischee abzubauen, sondern mehr: „Wir wollen, dass Tischfußball als Sport offiziell anerkannt wird.“ Um künftig auch mehr junge Menschen im Alter von 14 bis 17 Jahren zu begeistern, sucht der Verband Jugend- und Freizeiteinrichtungen in ganz Berlin, die Turniere ausrichten möchten. Dafür stellt der TFVB fünf Spieltische bereit. Nähere Informationen und Kontaktdaten erhalten Interessierte unter www.tfvb.de.