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Kein Kind darf außen vor bleiben

Der Karateklub Toruko und ein tolles Projekt

 

Von Michael Nittel

Moabit. Die Karateka vom Toruko SV Berlin haben in den letzten Wochen wieder einmal mit sportlichen Höchstleistungen geglänzt: Bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt belegte Aniko Zeisler einen tollen siebten Platz – Katharina Schulze schied hingegen in der ersten Runde aus. Nur wenige Tage zuvor hatten sich Vincent Böneke sowie Anas und Beschr Fattal jeweils einen Einzeltitel bei den Brandenburger Meisterschaften gesichert.

„Der Wettkampfsport spielt in unserem Verein eine wichtige Rolle“, erläuterte der Vorsitzende Murat Salbas, der den Klub 1993 gegründet hatte. „Und natürlich freut man sich über diese Erfolge, weil sie auch eine Bestätigung unserer Arbeit sind.“

Zurzeit betreiben rund 50 Mitglieder im Alter von sechs bis 46 Jahren den Kampfsport Karate bei Toruko in Moabit. Das Gros, rund 80 Prozent, sind Kinder und Jugendliche. Mit seinem Mädchenanteil von 30 Prozent liegt der Klub über dem gängigen Schnitt, den Sportvereine an weiblichen Mitgliedern haben.

„Ich muss ehrlicherweise sagen, dass trotz dieser Zahlen die Nachfrage bei Kindern und Jugendlichen zurückgegangen ist. Aber nur selten liegt es an den Kids selbst – allzu häufig waren und sind die Eltern das Problem.“ Mangelndes Interesse an der Freizeitgestaltung des eigenen Nachwuchses, keine Zeit, fehlende Vorbildfunktion oder das Geld seien häufig die Gründe. Ein Projekt, dem sich Toruko angeschlossen hat, soll zumindest das Argument fehlenden Geldes künftig aushebeln: Das Förderprogramm „Kids in die Sportklubs“ der Sportjugend Berlin beteiligt sich an den Betreuungskosten im Sportverein mit bis zu zehn Euro pro Person und Monat. Im Gegenzug verzichten die Vereine auf eine Aufnahmegebühr und den Mitgliedsbeitrag. Einzige Voraussetzung ist, dass die Eltern den Bedarf für das betreffende Kind nachweisen können. Das geschieht in der Regel durch die Vorlage des Berlin-Ticket S.

„Keinem Kind, das aus einer sozial schwachen Familie kommt, soll und darf es verwehrt sein, Sport zu treiben. Deshalb haben wir beschlossen, uns an diesem Projekt zu beteiligen.“

Ohnehin hat man bei Toruko, trotz aller Ambitionen, leistungsstarke und talentierte Athleten zu fördern, den Breitensportgedanken nicht aus den Augen verloren. „Wir haben bei uns eine gesunde Mischung. Schließlich geht es auch darum, den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder zu fördern, die unterschiedlichsten Kulturen im Verein zusammen zu bringen und ihnen Vorbild zu sein.“

Doch was zeichnet die Karatekunst aus? „Zunächst einmal haben Untersuchungen gezeigt, dass Karate, wie andere Kampfsportarten auch, dafür sorgt, dass Aggressionen, die mehr oder weniger in jedem Kind stecken, in der Halle gelassen werden. Darüber hinaus lernt man, sich im Sport zu beweisen. Im Wettkampf können sie allen zeigen, wie stark sie sind. Dann haben sie es draußen gar nicht mehr nötig.“ Zudem fördere das Karate, bei dem alle Techniken vor dem Ziel abgestoppt werden müssen, um Verletzungen zu vermeiden, Disziplin, Kraft und Konzentrationsfähigkeit. „Und nicht zu vergessen: Die Kinder lernen bei uns, sich selbst zu verteidigen.“

Der Klub sucht aber noch junge Menschen im Alter von sechs bis 14 Jahren, um eine weitere Trainingsgruppe zu etablieren. „In Ausnahmefällen können die Kinder auch jünger als sechs Jahre sein. Sie sollten aber zumindest in der Lage sein, sich für 15 Minuten konzentrieren zu können, um den Anweisungen der Trainer zu folgen.“ Nähere Informationen zum Klub sowie zum Projekt „Kids in die Sportklubs“ erhalten Interessierte unter www.toruko.de.