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„Wer nicht fair ist, spielt nicht mehr mit“

Kiezkicker mit Sichtungstraining bei Hertha BSC belohnt

 

Von Michael Nittel

Berlin. Einen großartigen Tag erlebten Jamal Jaradi und Chechmus Omeirat aus Moabit. Die beiden waren zwei von insgesamt 21 Kiezkickern aus ganz Berlin, die im Rahmen des Projektes „Junger Fußball in Berlin – keine Drogen, keine Gewalt“ an einem Sichtungstraining bei Hertha BSC teilnehmen und die Bundesliga-Stars beim Kicken bestaunen durften.

„Ich möchte bei dem Training einfach nur Spaß haben und freue mich riesig darauf, hinterher dann die Stars sehen zu dürfen“, sagte ein entspannt wirkender Chechmus. Der 13-Jährige hatte sich zusammen mit seinem Kumpel Jamal (16) bei einem von drei Turnieren der letztjährigen Serie des Projektes für den so genannten Hertha-Tag qualifiziert. Ausschlaggebend für die Teilnahme war aber nicht nur das fußballerische Talent der beiden, sondern auch ihre besondere Fairness. So wünschte sich Jamal für diesen Tag, vor den Augen der Hertha-Verantwortlichen gut zu spielen und, dass alle Akteure fair miteinander umgehen würden.

Und genau das ist einer der Punkte, warum das Präventions- und Aufklärungsprojekt vom Tannenhof Berlin-Brandenburg vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde. „Uns ist es wichtig, dass die Jugendlichen für sich etwas mitnehmen – nicht nur im Umgang mit anderen auf dem Fußballplatz, sondern auch in ihrem Alltag“, erläuterte Organisator Boris Knoblich. „Unser Projekt soll die Jugendlichen selbstbewusster machen und festigen.“

Der Fortbestand von „Junger Fußball in Berlin“ war lange Zeit gefährdet. Erst die Aufnahme des Projektes in die Hertha-Initiative „Berliner Freunde“, mit der soziale Kultur- und Jugendprojekte gefördert werden, sowie das weitere Engagement der Jugend- und Familienstiftung Berlin, der Aktion Mensch und weiterer kleinerer Spender und Partner war die Zukunft – zumindest vorerst – gesichert.

„Die Initiative „Berliner Freunde“ ist für uns ein super Partner. Und wenn man bedenkt, dass im zuständigen Kuratorium Leute wie Hertha-Manager Dieter Hoeneß und Klaus Wowereit sitzen und entscheiden, unser Projekt zu fördern, dann freut es mich auch, dass unsere Idee und unsere Arbeit dort gesehen und anerkannt wird“, sagte Knoblich.

Das Projekt arbeitet seit Bestehen mit ausgebildeten Workshop-Betreuern, den so genannten Fair-Play-Trainern, die die Kinder und Jugendlichen über Gewalt und Suchtsituationen aufklären und mit Ihnen zusammen Ideen für gewaltfreien Sport besprechen.

„Wenn wir Jungs auf der Straße treffen, die mit uns Kicken wollen, sagen wir ihnen vorher, dass sie aber fair spielen sollen. Wenn sie das nicht tun, hören wir einfach auf, mit ihnen zu spielen“, erläuterte Chechmus Omeirat selbstbewusst. Und auch einzelne Randalierer hätten keine Chance: „Wer nicht fair ist, spielt nicht mehr mit.“

Boris Knoblich abschließend: „Wir gehen mit diesem Projekt in so genannte Problemkieze, in denen soziale Strukturen schwierig, Einkommensverhältnisse und Bildungsniveau meist schlecht sind. Aber wir möchten – auch über das Jahr 2009 hinaus – mit diesen Menschen arbeiten, auch wenn einige von ihnen nicht einfach im Umgang sind.“ Man habe bis dato rund 500 Kinder und Jugendliche erreicht. Aber: „Von ihnen gibt es 10.000 oder mehr. Ich möchte, dass wir auch von denen irgendwann hören: Gut, dass es Euer Projekt gibt.“