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„Das Maß aller Dinge“

Mahlsdorfs Fußballer mischen Berlin-Liga auf und bleiben bescheiden

 

Von Michael Nittel

Mahlsdorf. Die Fußballer vom BSV Eintracht Mahlsdorf spielen eine großartige Saison und liegen drei Spieltage vor Schluss nur drei Zähler hinter dem Spitzenreiter Lichtenrader BC zurück. Der Aufstieg ist zum Greifen nah. Am letzten Spieltag kann es sogar zu einem echten Endspiel kommen, wenn der BSV in den Berliner Süden reisen muss. Und doch geht man im Lager der Eintracht mit dieser Situation ganz entspannt um: „Für uns ist die Berlin-Liga wie die Fußball-Bundesliga – das Maß aller Dinge“, erklärte der Vorsitzende Thomas Loest. „Als ich damals angetreten bin, wollte ich einen kleinen Verein am Rande Berlins auf ein solides Fundament stellen und nach vorn bringen. Das ist gelungen. Und ganz nebenbei freut es uns natürlich riesig, dass die Mannschaft einen so schönen und erfolgreichen Fußball spielt.“

Erst im Jahr 2006 gelang dem Klub, der 1897 gegründet wurde, der Aufstieg in Berlins höchste Spielklasse. Es folgten großartige Platzierungen, die in dieser Form niemand erwarten durfte: Einem 6. Platz im ersten Jahr folgte der 5. Rang in der Saison 2007/2008.

„Wenn wir jetzt aufsteigen sollten, dann gehen wir auch das Abenteuer Fußball-Oberliga an – keine Frage – und schauen einfach mal, was da so los ist.“ Die Truppe um Coach Sven Orbanke, übrigens ein Jugendfreund Loests, hat Potential und Zukunft: „Rund 80 Prozent der Spieler sind 23 Jahre oder jünger. Das heißt: Wir sind gut aufgestellt und können von dieser Truppe noch einiges erwarten. Und falls wir aufsteigen sollten, kann ich eines versprechen: Wir werden die Mannschaft nicht austauschen, sondern mit diesen Spielern in der Oberliga antreten.“ Ohnehin ist es den Verantwortlichen wichtig, dass sich die Akteure wohlfühlen und dem Klub möglichst lange verbunden bleiben. „Wir sind hier eine riesengroße Familie.“ Die Zahlen sprechen für sich: Sieben Spieler der ersten und nahezu die komplette zweite Mannschaft sind Eigengewächse. „Darüber hinaus kommen sicherlich rund 90 Prozent unserer Spieler aus dem Bezirk.“ Die Verbundenheit zum eigenen Klub scheint ohnehin in den Außenbezirken größer als in der Stadtmitte zu sein. Auch Thomas Loest, seit 6 Jahren Vorsitzender, gehört dem Klub schon seit 1970 an. „Wir wollen den Menschen, die an ihrem freien Tag zu uns kommen, schönen und offensiven Fußball demonstrieren – und im günstigsten Fall mit Spielern, die sie schon von klein auf kennen. Ich wiederhole mich gern: Der Erfolg ist zweitrangig. Das ist und bleibt unsere Philosophie.“

Auch im Berliner Pokal überraschte der Klub in diesem Jahr, schaffte es sogar bis ins Halbfinale und scheiterte dort erst mit 1:2 denkbar knapp an Tennis Borussia Berlin. „Rund 1500 Zuschauer sind zu diesem Spiel gekommen. Das zeigt uns, welche Möglichkeiten wir hier im Bezirk eigentlich haben. Denn die sind nicht wegen TeBe gekommen, sondern weil sie ihre Eintracht sehen wollten“, ist Loest vom lokalen Interesse der Menschen überzeugt. Zurzeit hat der Klub 378 Mitglieder – davon allein 239 im Nachwuchsbereich.

3 Herren-, 6 Alt-Herren- und 15 Nachwuchsteams der Eintracht nehmen zurzeit am Spielbetrieb teil. „Natürlich ist Jugendarbeit wichtig. Und wir sind glücklich, hier in Mahlsdorf noch viele junge Menschen für diesen Sport und die Eintracht gewinnen zu können. Aber ich brauche auch einen funktionierenden Bereich darüber, um die talentierten Spieler im Klub zu halten.“

Thomas Loest und seine Mitstreiter haben in Mahlsdorf schon viel bewegt. Einen Wunsch hat der 47-Jährige dann aber doch noch: „Mein Traum ist es, hier eine überdachte Tribüne mit Sitzplätzen für ein paar Hundert Menschen hinzustellen.“ Und wer weiß, in welcher Liga diese ihre Lila-Weißen von dort aus dann bestaunen dürfen.