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„Über den Tellerrand hinaus“

Kiezkicker treffen sich zur Berliner Meisterschaft

 

Von Michael Nittel

Moabit. Das „Star Ensemble“ ist neuer Berliner Straßenfußball-Meister. Die Jugendlichen aus Spandau lösten damit das Projekt „Berlin bolzt“ als Titelträger ab. Das Team „Power 21“ aus dem Stephankiez in Moabit belegte als Sieger der Trostrunde Rang 7. Bei den Mädchen triumphierte „Pia Olymp“ aus Kreuzberg.

6 Mädchen- und 12 Jungenteams, rund 150 Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren, hatten sich auf dem Washington Platz im Schatten des Hauptbahnhofs getroffen, um die besten Straßenfußballer der Hauptstadt zu ermitteln. „Seit Monaten hatten wir Anfragen zu diesem Turnier, so dass wir sogar einigen Teams absagen mussten“, erläuterte Simon Groscurth vom Veranstalter PLAY!YA. „Und die Kids, die hier sind, haben sich auf diesen Tag riesig gefreut.“ Der gebürtige Bonner und studierte Sportwissenschaftler ist seit vier Jahren in der Berliner Straßenfußball-Szene unterwegs.

Seit zwei Jahren gibt es den Verein PLAY!YA, der gemeinsam mit Berliner Jugendeinrichtungen, Projekten und Organisationen versucht, mit der Initiative STRASSE!KICKT möglichst viele Straßenfußballer Berlins unter einem Dach zu vereinen. „Wir wollen mit dieser Veranstaltung die ganzjährige, unglaublich gute und intensive Arbeit unzähliger Straßenfußball-Projekte öffentlichkeitswirksam darstellen. Wir holen sie raus aus ihrem Kiez und heben sie an eine der prominentesten Stellen Berlins, den Hauptbahnhof.“ Darüber hinaus solle diese Initiative die Kinder und Jugendlichen aber auch in andere Veranstaltungen einbinden und ihnen neue Lernräume eröffnen.

Wie man es von Turnieren dieser Art mittlerweile schon kennt, agierten die Kicker nach Regeln, die sie selbst aufgestellt haben und denen der faire und respektvolle Umgang miteinander voransteht. Ohne Schiedsrichter – nur von so genannten Teamern unterstützt – agierten die Akteure komplett Eigenverantwortlichkeit. „Probleme und Konflikte selbstständig im Dialog zu lösen – das sind Eigenschaften, die den Jugendlichen auf der Straße und im täglichen Leben auch weiterhelfen könnten. Man kann vom und über den Fußball unglaublich viel lernen.“

Groscurth vermutet, dass es in Berlin zehn- bis zwanzigtausend Straßenfußballer gibt, die mehr oder weniger organisiert sind und wünscht sich mit dieser Initiative, mittelfristig möglichst viele von ihnen zu erreichen. „Im Kern geht es doch darum, mal über den Tellerrand hinaus zu schauen – und zwar in beide Richtungen: In den Kiezen wird großartig gearbeitet – doch niemand sieht es. Und auf der anderen Seite sollen sich die Kids kennenlernen, sich die Projekte untereinander vernetzen.“

Celine Onken, Initiatorin von „Power 21“ aus dem Stephankiez in Moabit, glaubt an diese Idee: „Obwohl wir uns schon gewünscht hätten, dass mehr Menschen, die aus dem Bahnhof kommen, auch stehen bleiben und zuschauen, waren unsere Kids sehr aufgeregt und haben sich wahnsinnig darauf gefreut, mal außerhalb des eigenen Kiezes vor so vielen Menschen zu kicken.“ Darüber hinaus begrüßte sie es, dass sich die Jugendlichen auch mal mit Straßenkickern aus anderen „weit entfernten“ Kiezen messen konnten. Und abschließend formulierte sie stellvertretend für alle ehrenamtlichen Beteiligten rund um diese Initiative, warum sie ihre Freizeit für die Kinder und Jugendlichen opfert: „Diese jungen Menschen sind die Zukunft von uns allen. Und wenn wir uns jetzt um sie kümmern, werden wir irgendwann einmal alle davon profitieren.“