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„Diskutieren oder spielen?“

Drei Wilmersdorfer Teams für Streetball-Endrunde qualifiziert

 

Von Michael Nittel

Berlin. „Diese Veranstaltung ist wirklich großartig. Die Kinder haben am Spiel große Freude. Und ich treffe hier immer wieder viele meiner ehemaligen Schüler“, freute sich Marc Lerch, Sport- und Klassenlehrer an der Comenius-Schule, während der letzten Vorrunde der School-Finals-Berlin, dem Streetball-Event für Berliner Schüler.

154 Teams aus drei Bezirken, insgesamt 532 Aktive, gingen im Horst-Dohm-Eisstadion auf Korbjagd. Aus Wilmersdorf waren 23 Teams in fünf Altersklassen, getrennt nach Mädchen und Jungen, mit dabei – 3 konnten sich für die Endrunde qualifizieren, die am 8. Juli an gleicher Stelle ausgetragen wird: Das Mädchenteam „Djämen De Luxe“ von der Friedrich-Ebert Oberschule beendete das Turnier in seiner Altersklasse auf Platz eins. Die Jungen „Lucky Strike“ von der Walter-Rathenau-Oberschule sowie die Herren „Shoemaker“ von der Nelson-Mandela Oberschule erreichten ebenfalls das Finale.

„Wir geben den Schülern hier eine sehr sinnvolle Möglichkeit für die Gestaltung ihrer Freizeit“, erläuterte Initiator Mathias Ramsauer. „Ich sage immer etwas überspitzt: Wenn sie hier sind und miteinander spielen, können sie zur gleichen Zeit keine Automaten knacken.“ Bereits zum 16. Mal veranstaltet das Streetball-Team des Vereins für Sport und Jugendsozialarbeit gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Bildung,

Wissenschaft und Forschung dieses Event. „Vor 16 Jahren wussten die meisten doch noch gar nicht, dass es mit Streetball einen Sport gibt, den man auch außerhalb von Schule und Verein auf der Straße spielen kann. Und heute gibt es in Berlin so viele Körbe, dass die Kinder nun auch ohne uns ihre Freizeit sinnvoll gestalten können.“

Seit 16 Jahren kommt auch Marc Lerch mit seinen Schülern immer wieder und unterstreicht, dass diese Veranstaltungen wichtig sind: „Dieses Turnier ist doch ein gutes Beispiel dafür, dass, wenn man Kindern solche Angebote macht, sie diese auch mit Begeisterung annehmen. Selbst wenn wir alle Spiele verlieren, werden meine Schüler nächstes Jahr wiederkommen wollen. Und zwar nicht, weil ich es will, sondern weil sie es wollen.“

Dabei gab es, wie für beinahe alle Sportprojekte, auch für die School-Finals schwierige Zeiten. Ramsauer, der – wie er selbst sagt – viel Herzblut, Zeit und Geld ist dieses Event investiert hat, bekennt heute ehrlich, dass ihm auch viele Zufälle letztlich geholfen haben. So erzählte er die Geschichte, wie das Fernsehen sich für die School-Finals zu interessieren begann: „Mein Fax, dass ich in die Sportredaktion schicken wollte, wurde fehlgeleitet und landete beim Intendanten auf dem Tisch. Und der schrieb die Worte darunter: Die Idee ist gut. Jawohl, das machen wir.“

Und so gelang es, diese Serie fortzusetzen und ihre Motive den Schülern zu vermitteln: „Sie sollen Spaß haben, sich bewegen und mögliche Konflikte untereinander verbal lösen. Gelingt das nicht, komme ich dazu und frage: Wollt Ihr diskutieren oder spielen?“

Und diese Frage wird Ramsauer bei Bedarf auch in Zukunft stellen, zumindest bis in das Jahr 2014 – das Jahr, in dem er in Rente gehen wird. Doch der 59-Jährige ist guter Dinge, dass es Schultern gibt, auf die er die Verantwortung auch dann übertragen können wird.

Im Moment freut sich der Mann, der, wie er sagt, ein Faible für die kleinen Dinge hat – darüber, dass es in diesem Jahr erstmals in 16 Jahren ein Siegerpodest geben wird. „Es ist doch schön, wenn man sich nach dieser langen Zeit noch über so etwas freuen kann, oder?“