Freier Journalist

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Einfach wieder mal Kind sein

Von der Faszination und dem therapeutischen Nutzen des Reitsports

 

Von Michael Nittel

Heiligensee. 231 Reiter im Alter von 6 bis 64 Jahren trafen sich am Sonnabend und Sonntag zum 24. Reit- und Springturnier des Reit- und Fahrvereins Diakoniezentrum Heiligensee, um sich in zahlreichen Prüfungen vom Stilspringen bis zur Dressur miteinander zu messen.

„Dieses Turnier ist für unseren Verein das Ereignis des Jahres“, erläuterte Anne Oppen, zweiter Sportwart im Klub. „Wir möchten unsere Reiter nicht nur in der Spitze, sondern auch oder ganz besonders an der Basis fördern, ihnen die Möglichkeit geben, sich im Wettkampf zu präsentieren und mit anderen Reitern zu messen.“

Insgesamt gehen beim Reit- und Fahrverein in Heiligensee 204 Athleten aus ganz Berlin ihrer Passion nach – hinzu kommen rund 40 Studenten von der Technischen Universität, die Angebote des Klubs nutzen. Rund 170 Reiter sind Kinder und Jugendliche. Damit bilden sie nicht nur das Gros der Mitglieder, sondern befördern die Nachwuchsarbeit, die von lizensierten Trainern in Theorie und Praxis durchgeführt wird, in den Mittelpunkt. Ohnehin erfreut sich der Reitsport bei jungen Menschen, überwiegend Mädchen, nach wie vor größter Beliebtheit: „Kinder haben im städtischen Bereich doch nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, Bewegung zu erfahren. Deshalb ist das Naturerlebnis beim Reiten sehr prägend. Und darüber hinaus übt das Pferd als Sportpartner eine enorme Faszination aus“, erklärte Anne Oppen das große Interesse am Reitsport. In Heiligensee gibt es inzwischen Wartelisten, um dem Ansturm überhaupt Herr zu werden. Und wie kaum ein anderer Sport fördert das Reiten soziale Kompetenzen: „Die Kinder müssen, da sie ihren Sport mit einem Lebewesen ausüben, schon sehr früh Verantwortung übernehmen. Sie lernen, mit dem Pferd zu interagieren. In der Physik ist es doch so, dass die große Masse die kleine bewegt. Beim Reiten muss es umgekehrt sein.“ Für die Kinder sei es ein tolles Gefühl, geduldig mit dem Pferd zu arbeiten, bis es auf das Gelernte reagiert und es umsetzt. „Die Kinder kümmern sich hier aber nicht nur um die Tiere. Sie machen den Stall sauber, packen beim Turnier mit an, helfen sich untereinander – alles das stärkt ihr Verantwortungsbewusstsein und den Teamgeist“, ergänzte die Breitensportbeauftragte Petra Rütz. In Heiligensee wird die ganze Bandbreite dieses Sports, vom Voltigieren, über die Dressur bis zum Spring- und Geländereiten angeboten. Darüber hinaus ist aber auch das Therapeutische Reiten – Reiten für Behinderte, Hippotherapie und heilpädagogisches Reiten – ein besonderer Schwerpunkt. „Wir hatten hier vor Kurzem einen fünfjährigen Jungen, der bis dato kein Wort gesprochen hatte. Als dann eine Reitstunde zu Ende ging und die Lehrerin bat, von den Pferden abzusteigen, sagte er: Nein…will weiter. Und die Mutter war natürlich zu Tränen gerührt.“

Ohnehin übt der Reitsport nicht nur auf Kinder eine große Faszination aus. „Wenn man einmal geritten ist, verspürt man immer diese Sehnsucht. Beim Reiten bricht man für ein paar Stunden aus dem Alltag aus und ist irgendwie wieder das kleine Mädchen“, erläuterte Petra Rütz. Und Anne Oppen ergänzte: „Zu versuchen, mit dem Pferd eins zu sein, eine Harmonie zu erzeugen, aber auch Kompromisse mit dem Tier eingehen zu müssen – das macht diesen Sport aus. Ich kann mir mittlerweile ein Leben ohne Pferde nicht mehr vorstellen.“

Nähere Informationen über die Angebote des Reit- und Fahrvereins erhalten Interessierte unter www.reiten-24.de.