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„Sport ist mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung“

Jugendteam feiert 15-jähriges Jubiläum

 

Von Michael Nittel

Tiergarten. Das Jugendteam in der Pohlstraße feiert in diesen Tagen sein 15-jähriges Bestehen. Das Projekt des Stadtteilvereins Tiergarten hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern und Jugendlichen aus dem Kiez schulische Hilfen, Orientierung und Möglichkeiten in der Freizeitgestaltung anzubieten.

„Unsere Schwerpunkte sind zu gleichen Teilen eine schulbezogene Sozialarbeit auf der einen und eine sinnvolle Gestaltung der Freizeit durch Sport oder Musik auf der anderen Seite“, erläuterte Karsten Masch, der dieses Projekt vom ersten Tag an leitet. „Ich mache aber keinen Hehl daraus, dass unser Sportangebot, vor allem der Fußball, eine ganz besondere Rolle spielt.“ Über ihn komme man überhaupt erst an die Kinder und Jugendlichen heran, um ihnen dann weitergehende Hilfe in der Schule, Familie, im Freundeskreis oder aber beim Einstieg in den Beruf anbieten zu können. „Viele unterschätzen seine Wirkung. Aber der Sport ist mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung.“

So kam vor kurzem ein Junge zum Billard spielen in die Pohlstraße und sagte wochenlang nicht ein einziges Wort. „Und irgendwann guckte er mich an und sagte leise: ´Ich habe da mal eine Frage´.“ Viele Jugendliche seien – so Masch – nicht einmal in der Lage, in der Familie zu kommunizieren. „Und bei uns sollen sie lernen, gemeinsam als Team den Ball ins Tor zu spielen – das ist eine Herkules-Aufgabe.“

Zurzeit besuchen 60 Mädchen und Jungen regelmäßig die Einrichtung. Viele von ihnen kommen schon seit mehr als zehn Jahren zum Jugendteam. Darüber hinaus werden die Sportangebote – dreimal in der Woche steht die Sporthalle des Französischen Gymnasiums in der Derfflinger Straße zur Verfügung – verstärkt wahrgenommen: Unlängst besuchten allein 35 Kinder die Fußballstunde bei Hüseyin Toprak. Darüber hinaus gibt es seit zwei Jahren auch ein reines Mädchen-Sportprojekt.

Masch schätzt, dass rund 80 Prozent aller Menschen, die die Angebote des Jugendteams wahrnehmen, aus dem unmittelbaren Kiez kommen. Das Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen sei mittlerweile ausgeglichen. „Allein in der Pohlstraße leben 200 Kinder und Jugendliche – wenn man das hochrechnet, kann es eigentlich nicht genug Einrichtungen wie die unsere geben“, erläuterte Masch und mahnte zugleich an, dass bei knappen Kassen häufig zuerst bei solchen präventiven Projekten gespart werde.

Abschließend ließ er dann noch einmal die 15 Jahre Revue passieren, erinnerte sich an schöne und weniger heitere Erlebnisse: „Es ist immer etwas Besonderes, wenn uns Ehemalige besuchen kommen und sagen: `Wenn es Euch damals nicht gegeben hätte, …´ Wir wissen aber auch von Leuten, die auf die schiefe Bahn geraten sind.“ Betrachtet man allein den sportlichen Werdegang einzelner ehemalige Besucher, so darf man beim Jugendteam mit Recht stolz sein: Eine Hand voll ehemaliger Kiezkicker hat es tatsächlich in die höchste türkische Fußballliga geschafft. Darüber hinaus standen und stehen einige in den Bundesliga-Kadern vom Hamburger SV und Hannover 96 sowie den A-Junioren von Hertha BSC. „Wenn ich ehrlich sein will, muss ich sagen, dass ein paar von ihnen – als sie zu uns kamen – noch nicht einmal vereinsfähig waren. Das ist für unsere Jugendlichen heute natürliche ein zusätzlicher Anreiz. Da ist der Satz: `Du kannst es schaffen´ mehr als nur eine hohle Phrase.“