Freier Journalist

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Sport als Spiegel des Lebens

Mit dem Fußball gegen Drogen und gegen Gewalt

 

Von Michael Nittel

Berlin. Weit über 100 Mädchen und Jungen im Alter von 12 bis 15 Jahren nahmen am Projekt „Junger Fußball in Berlin – keine Drogen, keine Gewalt“, einer Kombination aus Anti-Gewalt-Workshop, Suchtaufklärung und Fußballturnier, teil. Mittendrin: der Wilmersdorfer Fair-Play-Trainer Pedro Fernandez.

„Heute war der Workshop ein wenig anstrengend“, erläuterte der 41-jährige gebürtige Mallorquiner. „22 junge Menschen sind zu viel – und ein paar von ihnen musste ich, weil sie zu unruhig waren, dann auch mal kurz vor die Tür schicken.“

Das Präventionsprojekt, initiiert vom Tannenhof Berlin-Brandenburg, einem Sucht- und Jugendhilfeträger, versucht seit drei Jahren, junge Menschen aus Jugend- und Freizeiteinrichtungen für drei Turniere im Jahr zu gewinnen. „Diese jungen Menschen, die alle ganz unterschiedlich sind, verbindet eines: die Liebe zum Fußball. Darüber versuchen wir sie zu erreichen.“ Zusätzlicher Anreiz: Das fairste und das beste Team jedes Turnieres gewinnt ein Training bei Hertha BSC Berlin inklusive eines Besuchs der Jungendakademie des Bundesligisten.

Doch erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Jedem Fußballturnier sind Anti-Gewalt-Workshops vorangestellt, die von ausgebildeten Fair-Play-Trainern wie Pedro Fernandez, der dieses Projekt von Beginn an begleitet, geleitet werden: „Wir versuchen den Jugendlichen einen fairen und respektvollen Umgang miteinander auf und außerhalb des Platzes zu vermitteln. Wir fragen sie nach ihren wichtigsten Regeln, sprechen über Fairplay, Gewalt, Drogen und ihre Erfahrungen.“

An diesem Wochenende kam in seinem Workshop Unruhe auf. Eine Hand voll Jugendlicher musste den Raum vorübergehend verlassen. Spannend war ihre Diskussion: „Jetzt dürfen wir vielleicht nicht mitspielen, weil Du mal wieder nicht Deine Klappe halten konntest“, waren unter anderem die Inhalte ihres Gesprächs. „Genau das wollen wir erreichen. Sie diskutieren über ihre Fehler, sehen sie ein und dürfen dann natürlich auch mitspielen“, erläuterte Fernandez den pädagogischen Ansatz.

Er ist für diese präventive Arbeit bestens geeignet, auch weil er aus eigener Erfahrung spricht: „Ich war ein Straßenkind und habe selbst mit Drogen und Gewalt zu tun gehabt.“ 1998 verließ er seine Heimat Richtung Deutschland, zog zunächst nach Greifswald, bevor er im Jahr 2000 nach Berlin kam. 2003 war er im Tannenhof selbst in Therapie.

„Weil ich weiß, wie schlimm und kompliziert so ein Leben sein kann, mache ich diese Arbeit. Ich möchte diesen jungen Menschen helfen, bevor sie mit diesen Dingen überhaupt erst in Berührung kommen, damit sie nicht das gleiche erleben müssen was ich erlebt habe. Kein Mensch, der schlimme Dinge tut, ist so auf die Welt gekommen.“

Der Sport, insbesondere der

Fußball, wird ohnehin intensiv zu Therapiezwecken genutzt: „Man kann seine Aggressivität kontrolliert herauslassen. Man gewinnt zusammen, muss bei einer Niederlage aber auch zusammenstehen. Darüber hinaus verrät das Verhalten auf dem Platz viel über den Menschen: Wer ist diszipliniert oder aggressiv? Wer gibt schnell auf?

Fußball ist ein bisschen ein Spiegel des richtigen Lebens.“

Die Arbeit von Pedro Fernandez und seinen Mitstreitern ist ein langer und schwerer Prozess.

„Wenn ich beim Fußballturnier sehe, das ein Spieler, der ein Foul begangen hat, sich sofort bei seinem Gegner entschuldigt, dann kann ich mit meiner Arbeit eigentlich schon zufrieden sein. Und es wäre ein Traum, wenn in fünf oder sechs Jahren einer der Jungs, die an unseren Projekt teilgenommen haben, bei Hertha in der Bundesliga spielen würde.“