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Auf Streife im Bezirk

Ordnungsamt überwacht auch das Grillverbot

 

Von Michael Nittel

Reinickendorf. Sommerzeit ist Grillzeit. Doch wohin, wenn man zur Miete wohnt – keinen Balkon, Garten oder Laube sein Eigen nennen darf? Einfach ab in die Natur? Nicht im Grünen Bezirk. Hier gilt seit Jahren das Grillverbot.

Und es hat sich bewährt und wird weitestgehend befolgt, wie die Mitarbeiter des Ordnungsamtes Andreas Wolf und Manfred Ernst am heißesten Tag des Jahres auf Streife im Bezirk zu berichten hatten.

„Natürlich erwischt man eher jemanden im Spät- als im Frühdienst. Und dann spielt auch immer das Wetter eine Rolle. Aber für diesen Sommer würde ich einfach mal die Prognose wagen, dass wir im Schnitt eine Gruppe pro Tag erwischt haben, die irgendwo gegrillt hat“, erklärte Andreas Wolf.

Bevorzugte Orte sind der Freizeitpark Lübars und die Tegeler Malche. Ab und an wird aber auch noch im Fließtal in Hermsdorf, am Schäfer- und am Flughafensee gegrillt.

Interessant ist, dass Wolf und Ernst noch nie jemanden ein zweites Mal beim Grillen erwischt haben. Das spricht wohl tatsächlich dafür, das viele Ertappte nichts vom Grillverbot wussten oder aber bei ihnen die Einsicht eingekehrt ist. „Und viele schreckt sicherlich auch das Bußgeld ab“, ergänzte Wolf.

Wenn sich alle Bürger daran hielten, ihren Müll auch wieder wegzuräumen – dann könnte man vermutlich ohne ein Grillverbot auskommen. „Doch so: Nein! Das beste Beispiel ist doch der Tiergarten, der regelmäßig im Müll zu ersticken droht“, erklärte Wolf weiter. Vor dem Grillverbot musste der Bezirk Reinickendorf beispielsweise im Jahr 1999 mehr als 100.000 Mark für die Müllbeseitigung, die durch Griller entstanden war, aufwenden. Allein an einem Wochenende gab es im Freizeitpark Lübars Schäden in Höhe von 30.000 Mark.

In Reinickendorf überprüfen insgesamt 38 Mitarbeiter in vier Schichten Ordnungswidrigkeiten wie das Grillen in Grünanlagen, aber auch den Jugendschutz.

„Die meisten Bürger sehen das Grillverbot ein, einige wenige nicht“, umschrieb Wolf die gängigsten Reaktionen der Ertappten. „Wichtig ist, dass man es ihnen vernünftig erklärt, dass irgendjemand den Dreck auch wieder wegräumen muss und dass das natürlich eine Menge Geld kostet.“ Ohnehin weiß das Duo, das seit drei Jahren gemeinsam auf Streife geht und in einer Fernseh-Dokumentation schon zu vorübergehender Berühmtheit gekommen ist, dass eine vernünftige Ansprache oft das Eis bricht. „Wie Du in den Wald hinein rufst, so schallt es heraus“, erläuterte Ernst. „Wenn es die Situation ermöglicht, kommt man mit einem lockeren Spruch immer weiter als die Menschen von oben herab zu behandeln.“ Auch deshalb freuen sich die beiden darüber, dass in vielen Dienstjahren noch keine Situation eskaliert ist.

Den merkwürdigsten Fall in diesem Sommer erlebten die Ordnungshüter auf dem Müllberg im Freizeitpark Lübars: „Eines Tages sahen wir von weitem schon den Rauch aufsteigen. Da hatte es sich doch tatsächlich eine vielleicht 30-köpfige Großfamilie dort oben beim Grillen gemütlich gemacht und das Essen sogar mit drei Autos dort hinauf gebracht.“

Aber auch in diesem Fall war keine Böswilligkeit, sondern Unwissenheit die Ursache.

„Oft kommt dann natürlich die berechtigte Frage: Aber wo sollen wir denn dann grillen? Und unsere Antwort lautet: Dann fahrt doch einfach in einen Bezirk, in dem das Grillen erlaubt ist“, erläuterte das Duo, das keinen Hehl daraus macht, glücklich darüber zu sein, seinen Dienst in Reinickendorf tun zu dürfen.

Und so konnten Andreas Wolf und Manfred Ernst auch am Ende dieser Schicht ein weiteres Mal in Sachen Grillverbot vermelden: In Reinickendorf – keine besonderen Vorkommnisse.