Freier Journalist

Text und Foto

Ein Dorf steht Kopf

Hunderte von Reitern und Pferden bevölkerten Lübars

 

Von Michael Nittel

Lübars. Am Sonnabend und Sonntag stand Lübars ganz im Zeichen des Pferdesports: Der Ländliche Reiterverein (LRV) und der 1. FC Lübars hatten zu ihrem 10. Dressur- und Springturnier geladen. Und Hunderte von Reitern waren dem Ruf gefolgt, um in 26. Prüfungen ihr Können zu präsentieren.

„In den letzten Jahren haben wir stets die Marke von 1000 Nennungen erreicht“, erläuterte Ute Kühne-Sironski, Vorsitzende des LRV. „Deshalb freuen wir uns sehr, auch in diesem Jahr wieder rund 1100 Nennungen für unser Turnier gehabt zu haben – auch, weil die Wetterprognosen nicht besonders gut waren.“

Athleten aus ganz Berlin und dem Umland im Alter von acht bis über 80 Jahren waren angereist, um sich miteinander zu messen. „Unser Turnier bietet eine hervorragende Mischung aus Freizeit- und Wettkampfsport. Während die jüngeren Reiter schon glücklich darüber sind, ihre Fortschritte einem Publikum und natürlich den stolzen Eltern präsentieren zu können, geht es für die Turnierreiter darum, einwandfreie Prüfungen zu absolvieren und zu gewinnen.“

Wie auch in den Vorjahren wurden die Wettbewerbe auf zwei Reiterhöfen ausgetragen. „Für den Pferdesport ist es ein absolutes Unikum, dass zwei Vereine ein Turnier ausrichten“, wusste Ute Kühne-Sironski zu berichten. „Wir haben von Anfang an schon immer gesagt: Nur gemeinsam sind wir stark.“

In der Tat: Während in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Reitsportvereine ihre alljährlichen Turniere aus Kostengründen absagen mussten, steht das Turnier in Lübars auf gesunden Füßen: „Wir haben gemeinsam über 100 Sponsoren gefunden, die uns schon über Jahre hinweg begleiten. Das versetzt uns in die Lage, dieses Turnier überhaupt auszurichten. Und unsere Teilnehmer freut es auch: Hier geht jeder Reiter, der platziert ist, mit irgendetwas wieder nach Hause.“

Wenn die beiden Klubs ihr

Dressur- und Springturnier ausrichten, dann ist das ganze Dorf auf den Beinen: „Lübars ist ein Reiterdorf. Allein für die sieben hier ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe sichert das Pferd die Existenz. Und darüber hinaus sind vermutlich viele Dorfbewohner echte Pferdeliebhaber.“

So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Turniergemeinschaft in diesem Jahr wieder von den Lübarser Landfrauen und vielen anderen freiwilligen Helfern großartig unterstützt wurde.

Bei aller Euphorie gab es in der Vergangenheit aber auch ein großes Problem, dass die Vereine zu bewältigen hatten: Da das Gebiet um Lübars herum unter Landschafts- und Naturschutz steht, war und ist das Abstellen von Autos und Pferdeanhängern dort verboten. „Das hat uns eine Menge Kopfzerbrechen bereitet. Ich kann mich erinnern, dass wir in einem Jahr sogar erst zwei Tage vor Turnierbeginn eine Ausnahmegenehmigung erhalten haben.“ Dieses Problem wurde nun auf eine andere Art gelöst: „Wir mussten für jedes Fahrzeug, dass hier abgestellt wird, eine Ölwanne kaufen – ein Kompromiss, mit dem wir leben können.“

Und so ging der Blick am späten Sonntagabend schon wieder ein Jahr voraus, wenn sich die Reitsportelite zum 11. Mal in Lübars treffen wird: „Wenn wir jedes Jahr die Schallmauer von 1000 Nennungen durchbrechen und unsere Gäste stets zufrieden sind, dann sind wir es auch.“