Freier Journalist

Text und Foto

Die Arche kommt

Kinderprojekt bezieht Räume in Reinickendorf

 

Von Michael Nittel

Reinickendorf. Das Kinderprojekt Arche kommt jetzt auch nach Reinickendorf: Am 21. Januar wird der vierte Standort in Berlin offiziell eröffnet.

Doch schon längst haben die Mitarbeiter im Haus 11 in der Teichstraße 50 ihre Arbeit aufgenommen. Denn bereits jetzt besuchen täglich rund 35 Kinder aus dem Kiez die Einrichtung. Das bundesweit bekannte Projekt seines Leiters und Begründers Bernd Siggelkow löst dort den Verein „Von Kindern für Kinder“ ab, den die Reinickendorferin Gertrud Meyer rund 15 Jahre erfolgreich geleitet hat. Die heute 67-Jährige möchte künftig aus Altersgründen kürzer treten.

„Es gab einen fließenden Übergang. Schließlich konnten und wollten wir den Kindern nicht sagen müssen: Das Haus ist vorübergehend geschlossen“, erklärte Siggelkow. Da es schon jetzt täglich neue Kinder sind, die die Einrichtung besuchen, glaubt der Leiter, dass sich auf den rund 1200 Quadratmetern künftig rund 100 Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren tummeln werden. „Der Verein `Von Kindern für Kinder´ hat hier wirklich ganz tolle Arbeit geleistet.  Da sie aber fast nur mit Ehrenamtlichen gearbeitet haben, waren die Kapazitäten natürlich beschränkt. Das wird bei uns anders sein.“ Die Arche wird schon zu Beginn mit zwei Festangestellten, einer Erzieherin und einer Sozialpädagogin, in Reinickendorf vertreten sein. Hinzu kommen unzählige Ehrenamtliche und Mitarbeiter, mit denen man eine langjährige Zusammenarbeit anstrebt. „Damit ist gewährleitet, dass die Kinder über Jahre hinweg kontinuierliche Ansprechpartner haben. Und dadurch werden auch mehr Kinder kommen.“ So ist für viele Besucher der Arche in Hellersdorf Siggelkow längst zum „Papa“ Bernd geworden.

Und die Kinder – ob hier im Bezirk oder auch anderswo – haben den tiefen Wunsch, solche Einrichtungen zu besuchen: Allein an Heiligabend waren es 57 Reinickendorfer Kinder, die in das Haus in der Teichstraße gekommen waren. „Die Zeiten, in denen sie ausschließlich für eine warme Mahlzeit zu uns gekommen sind, sind lange vorbei. Heute kommen sie, um zu spielen, zu lernen oder einfach, um Freunde zu finden.“

Ohnehin werden die Arche wie auch andere Einrichtungen heutzutage nicht mehr nur von sozial schwachen Menschen aufgesucht: „Um mal mit einem Vorurteil aufzuräumen: Wir kümmern uns hier nicht nur um sozial Schwache, sondern um jedes Kind. Schließlich wird nicht nur die finanzielle, sondern auch die emotionale Armut immer größer“, glaubt Siggelkow. „Wir legen hier ganz viel Wert auf Beziehung und Freundschaft und versuchen, für jedes Kind so individuell da zu sein wie es das auch braucht.“

Auch ein Projekt wie die Arche kann nur funktionieren, wenn es Spender und Unterstützer hat. So zahlt Mario Barth zurzeit die Betriebskosten für die Räume in der Teichstraße. Der prominente Berliner Comedian wird auch am 21. Januar bei der offiziellen Eröffnung in der Teichstraße vor Ort sein. „Früher hieß es immer: die Arche sei ja eine Ostberliner Einrichtung, weil es diese Probleme nur im Osten gäbe. Das ist totaler Blödsinn. Finanzielle und emotionale Armut gibt es überall. Und auch deshalb freuen wir uns, hier ein weiteres Haus übernehmen zu können, um auch den jungen Menschen hier zu helfen, ihren größten Wunsch zu erfüllen: Kinder wollen doch einfach nur Kinder sein.“