Geistig behinderte Sportler triumphieren bei Internationalen Deutschen Meisterschaften im G-Judo

Reinickendorf. Der Budo Club Ken Shiki hat bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften im G-Judo für geistig behinderte G-Judo3 WebMenschen richtig abgeräumt: In der Neuköllner Jahn-Sporthalle am Columbiadamm errangen die Judoka am Sonnabend, 5. April insgesamt vier Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen.
Damit war der Budo Club Ken Shiki, der am Waidmannsluster Damm 151 beheimatet ist, nicht nur der erfolgreichste aller teilnehmenden Vereine, sondern er machte Berlin auch zum erfolgreichsten Landesverband – nicht weiter verwunderlich, da der Budo Club Ken Shiki der einzige Verein in der Hauptstadt für geistig behinderte Judoka ist.
In der Gewichtsklasse bis 78 Kilogramm triumphierte die Berlinerin Darleen Hupenbecker. In der Klasse über 78 Kilogramm sicherte sich Stefanie Sikora den ersten Platz. Bei den Männern errang Marvin Bullerjahn (bis 66 kg) in der Wettkampfklasse I die Goldmedaille. In der Wettkampfklasse II sicherte sich Christopher von Kaminietz (ebenfalls bis 66 kg) den Titel.

Beim G-Judo – das G steht übrigens für gehandicapt – gibt es drei unterschiedliche Wettkampfklassen – je nach Grad und Erscheinungsform der Behinderung: Athleten der Klasse I können Judo-Techniken gut umsetzen und trainieren auch mit nicht behinderten Judoka. Athleten der Klasse II setzen die Techniken eingeschränkt um und trainieren ausschließlich in Behindertengruppen. Athleten der Klasse III setzen Judo in einer spielerischen Form um. Entsprechend der jeweiligen Wettkampfklasse definiert man auch das Verständnis des Sportlers für die Sportart und das Ziel des Wettbewerbs mit den Attributen: verständlich, bekannt und eingeschränkt verständlich.
„Ich bin sehr stolz über die Leistungen meiner Athleten, aber auch darüber, dass wir diese Meisterschaften überhaupt auf die Beine stellen konnten“, freute sich Hamdy Mohamed, Vorsitzender und Gründer vom Budo Club Ken Shiki. Er hatte diese Meisterschaften in Kooperation mit dem Deutschen Behindertensportverband und dem Deutschen Judo Bund initiiert. Seit 2009 gibt es den Budo Club, dem heute rund 130 Mitglieder angehören – behinderte und nicht behinderte Judoka. Denn die Zauberworte heißen „Miteinander“ und „Inklusion“. Entsprechend wurde parallel zu den Meisterschaften mit Unterstützung der Lebenshilfe Berlin e.V. auf einer Matte ein Inklusionsturnier durchgeführt, auf dem sich geistig behinderte und nicht behinderte Athleten miteinander messen konnten. „Diese tolle Atmosphäre und den Wettkampf miteinander erleben, ob behindert oder nicht behindert – das ist für uns alle ein unbeschreiblich schönes Erlebnis“, sagte Mohamed. Und genau dieses Miteinander ist auch die Idee, die dem Budo Club und seinem Streben inne wohnt: „Ich möchte nicht nur, dass Behinderte und nicht Behinderte miteinander kämpfen und trainieren – ich möchte auch, dass Behinderte in der Lage sind, die nicht Behinderten zu trainieren.“ Ohnehin seien Motivation und Ehrgeiz auch bei den behinderten Sportlern so groß, dass Mohamed unlängst sogar in die Trickkiste greifen musste: „Drei meiner behinderten Sportler wollten unbedingt mal bei einem Turnier für nicht Behinderte teilnehmen. Also habe ich sie einfach dort angemeldet, ohne dass jemand gemerkt hätte, dass sie behindert sind. Sie haben natürlich nicht gewonnen, aber großartig gekämpft. Und hinterher haben sie gesagt, dass sie nun noch härter trainieren würden, um im nächsten Jahr noch besser zu sein.“
Nähere Informationen zum Budo Club Ken Shiki und zum Thema G-Judo erhalten Interessierte auch unter www.bck-judo.de.