Von etlichen Diskussionen, vier Runden Tischen und einem Fest

Moabit. Von Freitag bis Sonntag steht Moabit wieder einmal ganz im Zeichen seines traditionellen Turmstraßenfestes, das bereits zum 34. Mal ausgerichtet wird.

Auf drei Bühnen wird den Besuchern zwischen der Strom- und der Waldstraße an allen drei Tagen ein toller Mix aus Show und Musik geboten. Das Kinderparadies rund um das Rathaus und zahlreiche Informationsstände, an denen kulturelle Institutionen und Stadtteilvereine sich und ihre Projekte vorstellen werden, runden das Bild ab.

Auch auf der so genannten Kiezbühne an der Waldstraße soll dem Publikum eine bunte Mischung aus verschiedensten turmstrassenfest webMusikstilen, von Funk, Jazz und Pop über Rock bis hin zum Neo-Folk und diverse Show-Acts geboten werden. Sie ist auf Initiative von Frank Wolf vom Verein Moabit ist Beste entstanden. Doch Wolf, seines Zeichens BMX-Künstler und HipHop-Musiker, weiß zu berichten, dass der Weg zur Kiezbühne lang und beschwerlich war: „Wir haben im Vorfeld insgesamt vier Runde Tische mit dem Ziel veranstaltet, dieses Fest besser zu gestalten“, erklärt der 38-Jährige. „In dieser Zeit habe ich unheimlich viel Erfahrung gesammelt, wie Engagement im Kiez funktioniert und was gar nicht geht.“ So hätten beim ersten Runden Tisch noch rund 25 Personen teilgenommen – Menschen aus der Politik und Bürger von nebenan – beim letzten Tisch waren es dann nur noch vier. „Der Grundtenor zu Beginn war, dass das Fest wieder besser werden, sich mehr um unseren Kiez drehen müsste: mehr Moabiter Geschichte und Kultur. Es wurde geredet und diskutiert, Ideen entwickelt und wieder verworfen. Dann gab es persönliche Befindlichkeiten. Und am Ende sitzt du mit dem Veranstalter Bernhard Schaffeld plötzlich allein da und sagst: Dann machen wir halt eine Kiezbühne und den Rest wie immer.“

Moabiter Ratschlag kann begehrten Service bald wieder anbieten

Moabit. Der im März diesen Jahres eingestellte Service, Bürgern aus dem Kiez ein Essen zum Selbstkostenpreis im Nachbarschaftstreff anzubieten, wird noch in diesem Jahr wieder zurückkehren: Der Moabiter Ratschlag wird sein Projekt Mittagstisch im Stadtschloss Moabit, Rostocker Straße 32, vielleicht sogar schon im September fortsetzen können.

Natur pur im Hof des Stadtschlosses Moabit

gruenerhof webMoabit. Der Hof des Stadtschlosses Moabit zieht nicht zuletzt aufgrund eines Berichtes im rbb-Fernsehen immer mehr Neugierige und Naturfreunde in die Rostocker Straße 32.

Und nun ist das kleine Stückchen Erde auch noch im Rahmen des Wettbewerbs „Grüne Höfe für ein gutes Klima“ der Grüne Liga Berlin ausgezeichnet worden. Der Preis: ein Gutschein im Wert von 500 Euro. „Das hat uns sehr gefreut. Und wir werden das Geld natürlich in neue Pflanzen investieren“, berichtet Elke Fenster vom Moabiter Ratschlag, dem Träger des Stadtschlosses.

Bürgerkonzept wird nicht wie vorgesehen umgesetzt

Moabit. Die Bauarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Moabiter Güterbahnhofs, auf dem der neue Stadtgarten entstehen wird, gehen zügig voran. Allerdings gibt es ein Problem: Das Konzept für den Bürgergarten, der auf 1200 Quadratmetern in den Stadtgarten integriert ist, wird nicht wie vorgesehen umgesetzt.

buergergarten webjpgDer von den Arbeitern vor Ort vorgelegte Bauplan unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von dem Konzept, mit dem BürSte e.V aus dem Stephankiez die Ausschreibung gewonnen hatte.

Mandy Adam aus der Abteilung Stadtentwicklung, Fachbereich Stadtplanung, vom Bezirksamt Mitte erklärte dazu, dass es ein Grundkonzept des Planungsbüros gebe, nachdem sich zunächst einmal gerichtet wird. So sei abweichend vom Bürgerkonzept unter anderem von vornherein klar gewesen, dass es aufgrund von Hygienebestimmungen definitiv keinen Brunnen im Bürgergarten geben werde. Eine weitere wesentliche Veränderung zum eigentlichen Konzept ist ein quadratischer Platz im Zentrum des Gartens, der nach dem Bürgerwillen ursprünglich größer, in die Natur eingelassen und mit Sandsteinstufen an einer Seite gesäumt, geplant war.

Am 50. Jahrestag des Mauerbaus wird auch in Reinickendorf wieder der Toten gedacht

Reinickendorf Ost. Auch in Reinickendorf wird am 13. August, dem 50. Jahrestag des Mauerbaus, wieder der Menschen gedacht, die ihr Leben ließen, nur weil sie in Freiheit leben wollten. Einer von ihnen war Horst Frank, dem zu Ehren in der Klemkestraße an den „Sieben Brücken“ unweit des Ortes, an dem er erschossen worden war, im Jahr 1976 ein Gedenkkreuz errichtet worden ist. An diesem Ort wird auch am Sonnabend von 18 Uhr an eine Gedenkfeier ausgerichtet, die unter dem Motto: „Zeitzeugen berichten über Ihre Flucht, Ihre Gefangenschaft, über die friedliche Wende und den Fall der Mauer“ stehen wird.

„Es gibt Tage, es gibt Ereignisse, es gibt Bilder, die sich ins kollektive Gedächtnis der Menschen einprägen. Ein solcher Tag war mauerbau webder 13. August 1961“, sagt Claudia Skrobek, Vorsitzende der CDU Am Schäfersee und Organisatorin dieser Veranstaltung. Es sei wichtig und notwendig, die Teilung Deutschlands nie zu vergessen und sich immer an die Menschen zu erinnern, die bei der Flucht in die Freiheit ums Leben kamen.

An der rund einstündigen Gedenkfeier wird Bürgerrechtler Günter Nooke teilnehmen und auch sprechen. Er war in der DDR Mitbegründer des demokratischen Aufbruchs und gehörte dem Zentralen Runden Tisch an. Bis 2010 war er Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechte, bevor er der persönliche Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin wurde.

Darüber hinaus werden mit Anita Kutschkau und Horst Faber auch zwei Zeitzeugen berichten. Anita Kutschkau wurde während ihrer Flucht gefangen genommen und ins Frauenzuchthaus Hoheneck gebracht. Dort verlebte sie mehrere Jahre ihres Lebens, bis sie von der Bundesrepublik frei gekauft wurde.

Der heute 70-jährige Horst Faber hatte im Jahr 1976 mit seinen Weggefährten Uwe Grosse und dem schon verstorbenen Christoph Höhnig gegen alle Widerstände an diesem Ort das Gedenkkreuz errichtet. „Für meine Freunde und mich war es ein Bedürfnis, dieses Kreuz hier aufzustellen, weil Horst Frank in unserem Alter war und er an dem Tag erschossen wurde, an dem ich meinen 21. Geburtstag gefeiert habe“, so Faber zu den damaligen Beweggründen. Der ehemalige Boxer kann sich noch lebhaft daran erinnern, wie er mit Kameraden den Stacheldraht an dieser Stelle durchschnitten hatte, um Sportskameraden im letzten Moment herüberzuholen. Seit Jahren plädiert Faber nun schon dafür, dass die Geschichte der Mauer und ihrer Toten sowie die unzähligen Geschichten der Zeitzeugen niemals in Vergessenheit geraten dürften. Doch sein Angebot, an Schulen zu sprechen, stieß nur allzu oft auf taube Ohren und Ablehnung.

Deshalb sei es wichtig, dass am Sonnabend auch und ganz besonders junge Menschen an der Klemkestraße direkt unter der S-Bahn-Brücke, aber auch an allen anderen Orten des Gedenkens, vorbeischauen und lauschen, was die Zeitzeugen zu berichten haben.