Stelen zum Gedenken der Mauertoten fallen Vandalismus zum Opfer

Reinickendorf Ost. Die Zerstörung der Stelen, die unter den S-Bahnbrücken an der Klemkestraße an Horst Frank und alle anderen Gedenken WebMauertoten erinnern, hat vielerorts für Entsetzen und Empörung gesorgt.
Nachdem die am 12. August errichteten Gedenktafeln bereits wenige Tage später mit Graffiti beschmiert und im September beschädigt worden waren, sind sie am vergangenen Mittwoch wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt worden.
Horst Frank war an diesem Ort am 29. April 1962 bei einem Fluchtversuch angeschossen worden und später seinen Verletzungen erlegen. Ihm zu Ehren hatten die CDU-Bezirksverordneten Horst Faber und Uwe Grosse sowie der CDU-Abgeordnete Christoph Hönig an den „Sieben Brücken“ im Jahr 1976 ein Holzkreuz errichtet. Bereits im März 2008 war an diesem Kreuz von Unbekannten die Gedenkplakette entfernt worden, bevor Vandalen im Mai desselben Jahres es komplett zerstört hatten. Auch das im August 2008 neu aufgestellte Gedenkkreuz war in den letzten Jahren immer wieder mit Graffiti beschmiert worden.
„Wir sind über diese Zerstörungswut empört und betroffen“, sagt die Vorsitzende der CDU Am Schäfersee Claudia Skrobek, die seit vielen Jahren die Gedenkveranstaltung zum Tag des Mauerbaus an der Klemkestraße organisiert.
„Vermutlich wäre es aber gar nicht zur Zerstörung der Stelen gekommen, wenn die Graffiti frühzeitig entfernt worden wären. Auch die Wiederherstellung hat zu lange gedauert“, kann sich Dirk Stettner von der CDU in Pankow, der ab dem 27. Oktober für seine Partei im Abgeordnetenhaus sitzen wird, einen Seitenhieb auf den für den Denkmalschutz zuständigen Senat nicht verkneifen.
Ein zufällig an den soeben wiederhergestellten Stelen vorbei schlendernder Anwohner zeigt sich resigniert: „Das brauchen Sie gar nicht wieder in Ordnung zu bringen. Das wird sowieso wieder kaputtgemacht. Hier treibt sich seit einiger Zeit ein Gesindel herum, das vor nichts haltmacht.“ Doch die beiden Politiker wollen sich den Vandalen in keinster Weise beugen: „Das kommt überhaupt nicht in Frage“, pocht Claudia Skrobek auf die Bedeutung auch des visuellen Erinnerns. „Orte des Gedenkens sind wichtig und notwendig.“
Der Platz, an dem Kreuz und Stelen stehen, liegt sehr abgeschieden. Außer Autofahrern und vereinzelten Fußgängern kann niemand einen Blick auf mutmaßliche Täter erhaschen. „Man sollte ernsthaft darüber nachdenken, hier eine Kamera zu installieren“, nennt Stettner Überlegungen. „Vielleicht wäre es auch gut, hier für eine Beleuchtung zu sorgen, weil Licht potentielle Täter vermutlich abschrecken würde.“
Ein weiteres Problem ist, dass immer wieder Unrat, zumeist direkt hinter den Stelen, abgeladen wird. Deshalb ist angedacht, mit einer Bepflanzung direkt um die Stelen herum dem Abladen von Müll Einhalt zu gebieten. Doch im Fokus bleibt die Zerstörung. Bleibt die Frage, ob sie wahllos ist oder nicht? Dirk Stettner abschließend: „Ich bin mir nicht sicher, ob es das fehlende Bewusstsein für unsere Geschichte, mangelnde politische und historische Bildung junger Menschen ist, das zu diesen Exzessen an Gedenkstätten führt. Aber hier passiert so häufig etwas, das ich mich scheue, da noch an einen Zufall zu glauben.“