Fotografie, Video und Installation im Haus am Kleistpark

Schöneberg. Mit einem kleinen Festakt und rund 100 Besuchern ist am vergangenen Donnerstag die Ausstellung !Perla_Miseria! im Haus am Kleistpark eröffnet worden. Die ausgestellten Fotografien, Videos und Installationen der beiden Künstlerinnen Tina Bara und Alba D´Urbano wurden mit einführenden Worten des Kunstkritikers Thomas Wulfen dem Publikum übergeben.
Perla Miseria WebDie 1955 in der Nähe von Rom geborene Alba D´Urbano und die 1962 in Kleinmachnow geborene Tina Bara arbeiten seit dem Jahr 2000 gemeinsam an künstlerischen Projekten. Ihre Arbeiten, die in der Ausstellung zu sehen sind, beleuchten unterschiedliche Themenfelder, die im weitesten Sinn aber alle mit dem menschlichen Körper zu tun haben: Sport, Werbung und Alter spielen ebenso eine Rolle wie Schönheit, Kontrolle und Überwachung. Letzteres zieht sich ohnehin durch das Leben und Arbeiten von Tina Bara, die in der DDR groß geworden ist und in der oppositionellen Friedensbewegung aktiv war. Persönlich erlebte Geschichte, Biographien und ihre Brüche, aber auch ein gehöriges Maß an Ironie gehören zum Schaffen der beiden Künstlerinnen. So ist auch der Titel der Ausstellung das Resultat eines Wortspiels: „Per la miseria!“ ist im italienischen ein geläufiges Schimpfwort und bedeutet in etwas soviel wie „So ein Mist!“.
Und natürlich ist diese Ausstellung alles andere. Die prägnanteste der ausgestellten Arbeiten ist die Fotoinstallation „Siegerehrungen“ aus dem Jahr 2003: Diese Arbeit besteht aus zehn großformatigen Porträtfotografien von Schwimmerinnen, die im Zeitraum der 1950er bis 1970er Jahre in der DDR junge und erfolgreiche Leistungssportlerinnen waren. Die Frauen, alle zwischen 40 und 66 Jahren alt, wurden auf dem Startblock des Leipziger Trainingsschwimmbades in Siegerpose mit einem roten Schwimmanzug bekleidet in Szene gesetzt. Mit dieser Arbeit kritisieren die Künstlerinnen das Dogma einer allgegenwärtigen Jugendlichkeit: Der Körper eines älteren Menschen, insbesondere der einer älteren Frau, werde von den Medien in der Regel nicht publiziert, da er nicht in das gesellschaftlich geforderte akzeptierte Bild eines Körpers passe.  
Eine andere Arbeit zeigt Alba D´Urbano auf fünf Fotografien
im Rollstuhl. Als sie sich ein Bein gebrochen hatte, nutzten die beiden Künstlerinnen diese Gelegenheit, um die Arbeit „Seated Model“ zu entwickeln. Darin geht es um den Entwurf einer gebrochenen, leidenden Künstlerpersönlichkeit, der heutzutage häufig als veraltet bezeichnet wird, obwohl insbesondere kreative Menschen oft mit einem hohen Zeit- und Energieaufwand und einem meist geringen Einkommen an ihre körperlichen, aber auch geistigen Grenzen stoßen. Und natürlich ist auch ein gehörig Maß an Selbstironie in dieser Arbeit enthalten.
Die Ausstellung läuft noch bis einschließlich 27. November. Sie ist im Haus am Kleistpark dienstags bis sonntags in der Zeit von 10 bis 19 Uhr zu besuchen. Der Eintritt ist frei.