Kieze kicken! – Mädchenfußball-Projekt soll helfen, Vorurteile abzubauen

Märkisches Viertel. Zehn Mädchen der Thomas-Mann-Oberschule aus der Königshorster Straße haben beim diesjährigen Kieze kicken Thomas Mann2 WebAbschlussturnier des Projekts „Kieze kicken!“ am Montag, 27. Mai auf dem Sportplatz der ISS Schule am Schillerpark an der Ofener Straße im Wedding den ersten Platz belegt. Insgesamt hatten zehn Teams – rund 100 Mädchen – aus zehn Berliner Kiezen an diesem Projekt teilgenommen.
„Die Mädchen haben unheimlich viel Freude, an solchen Turnieren teilzunehmen. Und ich denke, dass es von solchen Projekten ohnehin nie genug geben kann“, sagt Sven Hömann. Der 31-jährige Reinickendorfer ist Sportlehrer an der Thomas-Mann-Oberschule, die er als Schüler selbst besucht hat. Er betreut die Mädchenfußball-AG, die im Rahmen des Projektes „Kieze kicken!“ im Jahr 2010 ins Leben gerufen worden war.


Damals hatte die Initiative Teach First Deutschland das integrative Projekt „Kieze kicken!“ initiiert. Es soll jahrgangs-, kiez- und schulübergreifend dabei helfen, Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren mit unterschiedlichem sozialem, familiärem und kulturellem Hintergrund zusammenbringen. Zusätzlich zur wöchentlichen Fußball-AG an der jeweiligen Schule trafen sich alle beteiligten Teams monatlich zu den Spielen der Kieze kicken! Liga. Die Idee ist so simpel wie genial: durch die Fußballspiele sollen kiezübergreifend Freundschaften entstehen und vorherrschende Vorurteile abgebaut werden.
Und besucht oder arbeitet man an einer Schule aus dem Märkischen Viertel, so weiß man, dass es dann immer Vorbehalte gibt: sozialer Brennpunkt wäre so ein Schlagwort. Sven Hömann revidiert: „Ich habe viele gute Erinnerungen an meine Schulzeit und an meine Schule: Auch im Märkischen Viertel, das nach außen hin immer so negativ dargestellt wird, gibt es viele Schüler mit unglaublich viel Potential. Daran wollte ich auch als Lehrer unbedingt anknüpfen.“ Entsprechend verhält es sich auch mit den Mädchen der Fußball-AG: Nachdem eine Lehrerin längerfristig ausgefallen war, waren die Mädchen gezwungen, sich über ein halbes Jahr lang selbst zu organisieren und eigenständig an den Spielen im Rahmen des Projektes teilzunehmen. Das gelang vortrefflich. „Die Mädchen sind sehr engagiert und selbstständig“, freut sich Hömann. Allerdings würde er sich auch über eine noch größere Resonanz auf die Fußball-AG freuen – auch, weil der Sport stets ein guter Anknüpfungspunkt sei, um den Jugendlichen Werte wie Gemeinschaftssinn, Fairplay, Zusammengehörigkeit, Teamfähigkeit oder Respekt zu vermitteln. „Schön ist es natürlich immer, wenn die Mädchen dann später einem Verein beitreten oder ein anderes außerschulisches Angebot wahrnehmen. Und wo anders als in der Schule sollten sie ihre ersten Erfahrungen sammeln.“ Teach First Deutschland ist eine gemeinnützige Initiative, die sich für Chancengerechtigkeit einsetzt und die Schulbildung von weniger privilegierten Kindern und Jugendlichen fördert.
Hömann abschließend: „Meiner Meinung nach könnte und müsste es in Berlin viel mehr von solchen Initiativen und Projekten geben. Was die Veranstalter, aber auch die Schülerinnen hier aufgebaut haben, ist beeindruckend.“