S-Bahnbrücken erhalten Namen eines Maueropfers

Bruecke3 WebReinickendorf-Ost. Am Dienstag, 13. August, dem Tag des Mauerbaus, soll auch in der Klemkestraße wieder den Menschen gedacht werden, die ihr Leben ließen, nur weil sie in Freiheit leben wollten.
Die CDU Am Schäfersee lädt bereits zum 15. Mal zu ihrer traditionellen Gedenkfeier für Horst Frank, der am 29. April 1962 bei einem Fluchtversuch unweit der S-Bahnbrücken angeschossen worden war und später im Krankenhaus verstarb.
Ihm zu Ehren war im Jahr 1976 ein Gedenkkreuz an dieser Stelle aufgestellt worden. Und nun soll Horst Frank eine weitere Ehre zu Teil werden: Ab dem 13. August sollen die S-Bahnbrücken in der Klemkestraße, auch als „Sieben Brücken“ bekannt, Horst Franks Namen tragen. Diese Benennung wird im Vorfeld der Gedenkfeier an der Klemkestraße / Ecke Sommerstraße von 17:30 Uhr an durchgeführt. Dann soll auch ein neues Namensschild mit den Maßen 680 mal 480 Millimeter die Brücken, von denen es heute nur noch vier gibt, zieren.


Die Idee zur Umbenennung der Brücken hatte Claudia Skrobek, Vorsitzende der CDU Am Schäfersee und Initiatorin der Gedenkfeier für Horst Frank. „Vor einigen Jahren hatte ein Bürger den Wunsch geäußert, einen Teilabschnitt der Klemkestraße in Horst-Frank-Straße umzubenennen“, erinnert sich Claudia Skrobek. Ein entsprechender Vorschlag war dann auch in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eingebracht worden. Doch da es auf der Pankower Seite der Klemkestraße ein Wohnhaus gibt, deren Mieter von der Umbenennung berührt gewesen wären, hatte man davon Abstand genommen. „Und dann kam mir die Idee mit den Brücken, zentral zu dem Ort, an dem Horst Frank angeschossen worden war.“
Da die Brücken Eigentum der Deutschen Bahn sind, musste für die Umbenennung zunächst die Zustimmung des Unternehmens eingeholt werden. „Da wir in letzter Zeit häufiger mit der Bahn zu tun haben, was insbesondere Aufträge aus der BVV angeht, kennen wir jetzt die entsprechenden Ansprechpartner, so dass auch das Okay für die Umbenennung recht zügig kam“, weiß Bezirksstadtrat Martin Lambert (CDU) zu berichten.
Direkt im Anschluss an die Umbenennung in der Zeit von 18 bis 19 Uhr an wird es dann die traditionelle Gedenkfeier am Gedenkkreuz geben, bei der unter anderem die Zeitzeugen Birgit Krüger und Monika Schneider sprechen werden. Beide Frauen waren bei ihrer Flucht gefangengenommen und im Frauengefängnis Hoheneck inhaftiert worden.
Das Gedenkkreuz hatten im Übrigen die Reinickendorfer Horst Faber, Uwe Grosse und der bereits verstorbene Christoph Höhnig an diesem Ort errichtet. „Für meine Freunde und mich war es ein Bedürfnis, dieses Kreuz hier aufzustellen, weil Horst Frank in unserem Alter war und er an dem Tag erschossen wurde, an dem ich meinen 21. Geburtstag gefeiert habe“, hatte Horst Faber seine damaligen Beweggründe erklärt. „Auch deshalb dürfen wir, dürfen die jungen Leute heutzutage niemals vergessen: Es gab Menschen, die sterben mussten, nur weil sie frei sein wollten.“
Für alle Besucher, denen es schwer fällt, längere Zeit zu stehen, bieten die Organisatoren entsprechende Sitzmöglichkeiten. Diese können bei Claudia Skrobek telefonisch unter 030 – 22775160 reserviert werden.