TSV Berlin-Wittenau initiiert Sportprojekt für Flüchtlinge

Fluechtlinge1 WebReinickendorf. Der TSV Berlin-Wittenau hat ein Sportprojekt für Flüchtlingskinder und ihre Eltern initiiert, die im Marie-Schlei-Haus am Eichborndamm ein neues zu Hause gefunden haben. In Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Berlin, die dieses „Refugium für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge“ betreibt, hat der TSV drei Sportangebote ins Leben gerufen, die schon jetzt – nach nur rund 14 Tagen – vor allem bei den Kindern und Jugendlichen äußerst beliebt sind.
Fünf Trainer des TSV bieten seit Montag, 18. November im Marie-Schlei-Haus das Eltern-Kind-Turnen, Tanz für Mädchen sowie eine Sportgruppe für Jungen an, in der sämtliche Ballsportarten und vieles mehr betrieben werden können. Darüber hinaus hat der TSV für den Aufenthaltsraum eine Tischtennis-Platte organisiert – eine weitere für den Außenbereich soll in diesen Tagen aufgestellt werden.


Insgesamt leben seit dem Frühjahr über 190 Flüchtlinge unter anderem aus Tschetschenien, Afghanistan, Syrien, Nigeria und dem Iran im Marie-Schlei-Haus – darunter 105 Kinder und Jugendliche. „Unsere Menschen hier haben sehr viele Probleme, Sorgen und Ängste“, sagt Claudia Da Silva, die diese Einrichtung seit dem 1. Juli leitet. „Viele der Kinder leiden unter zum Teil schweren Krankheiten. Mit diesen Sportangeboten können wir es schaffen, dass all dies zumindest für eine einzige Stunde weg ist.“
Um mögliche Berührungsängste abzubauen, haben Mitarbeiter der AWO, die über entsprechende fremdsprachliche Fähigkeiten verfügen, die Flüchtlinge zu ihren jeweils ersten Sportkursen begleitet. Die Verständigung zwischen den Trainern und ihren Schützlingen klappte aber vom ersten Moment an ganz hervorragend – entweder auf Englisch oder nonverbal mit Händen und Füßen. Ohnehin sind die integrativen Möglichkeiten, die der Sport bieten kann, enorm. „Natürlich sind diese Angebote auch eine hervorragende Möglichkeit, dass sich unsere Kinder untereinander besser kennenlernen – persönlich, aber auch die jeweils andere Nationalität und Sprache“, erklärt Claudia Da Silva. Allerdings dürfe man die Ziele, die mit solchen Angeboten verbunden sind, nicht zu hoch ansetzen: „Natürlich wollen wir – die täglich mit diesen Menschen arbeiten – dass sie rausgehen in die Welt und dort auch andere Menschen kennenlernen. Aber in diesem Moment geht es einfach nur darum, dass vor allem diese Kinder Spaß haben – endlich einmal Spaß haben.“
Die Idee zu diesem Sportprojekt, das für den Zukunftspreis des Berliner Sports 2013 nominiert ist, kam den Verantwortlichen des TSV bereits im Sommer: „Uns geht es gut, unserem Verein geht es gut – was liegt da näher, als etwas für Menschen zu tun, denen es nicht so gut geht“, erklärt Elke Duda vom TSV die Hintergründe. Man habe so viel zur Flüchtlingsthematik auch und ganz besonders in Berlin hören und lesen müssen, so dass die Entscheidung, zum ersten Mal ein Sportangebot ausschließlich für Menschen außerhalb des Vereins anzubieten, nicht schwer gefallen sei. „Alle Abteilungsleiter haben in sämtlichen Sitzungen dieses Projekt befürwortet und freuen sich, diese Kinder vielleicht auch bald in unserem Verein begrüßen zu dürfen.“
Ein Wehrmutstropfen aber bleibt: Für die rund 7000 Euro Materialkosten konnte bislang mit einer Ausnahme noch kein Sponsor gefunden werden.