Das Projekt „Zwei gewinnt“ unterstützt ehrenamtliches Engagement im Sportverein

Berlin. Bis vor einem Jahr war Annick Hartmann „nur“ eine leidenschaftliche Volleyballspielerin beim TSC Berlin 1983 in Neukölln. Zwei gewinnt1 WebQuasi über Nacht wurde sie im April 2014 dann zur 1. Vorsitzenden des Klubs gewählt. Plötzlich in Verantwortung – eine Situation, wie sie in Sportvereinen recht häufig vorkommt. Da traf es sich gut, dass der Landessportbund Berlin (LSB) nahezu zeitgleich ein Projekt ins Leben rief, das dieses ehrenamtliche Engagement helfend unterstützt.
Das einjährige Projekt „Zwei gewinnt – Mentoring im Ehrenamt“, das seit Juni 2014 läuft, verfolgt das Ziel, 15 Nachwuchskräfte, acht Frauen und sieben Männer – so genannte Mentees – in verantwortlicher Position in einem Sportverein zu unterstützen. Ihnen zur Seite stehen 16 Mentoren aus unterschiedlichen Vereinen und Verbänden, die ihre Erfahrungen an die Mentees weitergeben sollen. Darüber hinaus wird mit diesem Pilotprojekt eine bessere Ausgewogenheit der Geschlechter in den Vorständen angestrebt: Laut Dilek Kolat (SPD), Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, werden nur 24 Prozent der Unternehmen in Berlin von einer Frau geführt. Im Sport ist das Verhältnis noch drastischer: 210 der rund 2400 Berliner Sportvereine haben eine weibliche 1. Vorsitzende – also nur knapp neun Prozent.


„Eigentlich wollte ich damals gar nicht in diese Hauptversammlung gehen und habe es nur einer Freundin zu Liebe getan, die dort reden musste“, erinnert sich Annick Hartmann. „Und eine gute Stunde später war ich 1. Vorsitzende.“ Die 39-jährige, berufstätige, zweifache Mutter ist übrigens ein Paradebeispiel für ehrenamtliches Engagement: Neben dem Vereinsvorsitz engagiert sie sich noch im Vorstand der Gesamtelternvertretung und im Förderverein der Fritz-Karsen-Schule sowie in der Flüchtlingshilfe über das Aktionsbündnis Britz und in der Flüchtlingsinitiative für das Flüchtlingsheim in der Späthstraße. Ihr zur Seite als Mentor steht Michael Pape, dessen Lebensmotto zu diesem Projekt passt wie kein zweites: „Wissen ist eines der wenigen Dinge im Leben, die sich vermehren, wenn man sie teilt.“ Der 56-jährige passionierte Bogenschütze ist seit 13 Jahren hauptamtlicher Vereinsmanager beim TSV Spandau 1860 mit seinen 18 Abteilungen und rund 5500 Mitgliedern. Zum Vergleich: der TSC Berlin hat neun Abteilungen und rund 1200 Mitglieder. Mentee und Mentor nehmen im Rahmen des Projektes nicht nur an diversen Workshops mit Themen wie Satzung, Kommunikation, Finanzen oder Zeitmanagement teil, sondern treffen sich auch bis zu zweimal im Monat, um sich auszutauschen: Wo steht der TSC? Wo will er hin? Was läuft schon gut? Was muss sich ändern, damit der Verein auch in zehn Jahren noch existieren kann? Das sind nur einige der Fragen, die ausgiebig erörtert wurden und werden. „Eine wichtige Erkenntnis ist, dass man sich als Einzelner nicht um alles kümmern muss. Man sollte seine Stärken kennen und die Richtung, in die die Reise gehen soll“, sagt Pape. „Manchmal genügt es schon, alle Abteilungen an einen Tisch zu bringen, den Rahmen gut zu setzen und darin eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.“ Aber auch Pape selbst profitiert von diesem Austausch: „Ich bedauere es zum Beispiel sehr, dass wir beim TSV Spandau keine Frau im Vorstand haben. Was müssen wir ändern, damit Frauen diesen Schritt machen? Nicht zuletzt durch dieses Projekt beschäftigt mich diese Frage sehr. Und wir werden eine Antwort darauf finden.“
Annick Hartmann und Michael Pape sind überzeugt, dass alle Teilnehmer des Projektes auch nach seinem Ende im Juni 2015 weiterhin in Kontakt bleiben, sich austauschen und unterstützen werden. Pape abschließend: „Alle Sportvereine verfolgen letztlich doch das gleiche Ziel: Kindern, Jugendlichen, möglichst vielen Menschen ein interessantes Angebot zu unterbreiten. Warum also sollten wir uns bei dieser Aufgabe nicht auch gegenseitig unterstützen?“