Flüchtlinge in Sporthallen – es regt sich erster Widerstand

Charlottenburg. Nachdem nun auch an die 1000 Flüchtlinge in der großen Halle des Horst-Korber-Sportzentrums und der Rudolf-Harbig-Halle untergebracht worden sind, wird erste Kritik laut. Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes (LSB), nennt Sporthallen die „allerletzte Option“.
Mittlerweile sind insgesamt acht Sporteinrichtungen berlinweit von Flüchtlingen belegt worden, darunter auch zwei Sportplätze mit Traglufthallen im Poststadion in Moabit und die Jahnsporthalle am Columbiadamm in Neukölln. LSB-Präsident Böger warnt davor, weitere Flüchtlinge in Sporthallen unterzubringen. Damit werde den Vereinen die Basis ihrer Arbeit entzogen – in den betroffenen Schulen sei ein regulärer Sportunterricht nicht mehr möglich.
Von der Entscheidung, nun auch die beiden Sporthallen im Olympiapark als Notunterkünfte zu nutzen, sind vor allem der Volleyball-Bundesligist BR Volleys, der Handball-Bundesligist Spreefüxxe, die Leichtathleten des Teams Süd und die Schüler der Poelchau-Oberschule betroffen. Kaweh Niroomand, Manager der BR-Volleys, betonte, dass auch der Sport seinen Beitrag leisten wolle und könne. Er warnte aber davor, dass es bei der Vielzahl der Sportvereine und –verbände und der recht überschaubaren Zahl an Hallenzeiten zu „einem Wettbewerb unter den Vereinen um Trainingshallen“ kommen und die Stimmung im Hinblick auf die Flüchtlinge dann auch kippen könnte.


Die betroffenen Vereine und Verbände haben zwar andere Trainingsorte gefunden. Aber laut LSB werden bereits weitere Turnhallen auf eine Nutzung als Notunterkunft geprüft. In diesem Zusammenhang betonte Klaus Böger noch einmal, dass die Nutzung von Sporthallen als Notunterkunft immer nur dann eine Option sei, wenn wirklich alle anderen Möglichkeiten vollständig ausgeschöpft seien. „Eine solche Zwangslage sehe ich in Berlin derzeit nicht“, erklärte Böger weiter. Flüchtlinge könnten etwa im ICC oder in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof untergebracht werden.
Das Horst-Korber-Sportzentrum war auch die Trainingsstätte der Spreefüxxe, die unmittelbar vor dem Start in die neue Saison der 1. Frauenhandball-Bundesliga umdisponieren mussten. Und dennoch sah Trainer Lars Melzer die Situation erstaunlich gelassen: „Mal ehrlich: Wir alle haben ein Dach über dem Kopf und genug zu Essen. Es gibt bedeutend Schlimmeres, als aufgrund einer prekären Hallensituation vielleicht auch mal das eine oder andere Handballspiel zu verlieren.“