Spannendes Forschungsprojekt im Reittherapiezentrum

Wannsee. Einmal am Tag kommen junge Menschen in das Reittherapiezentrum Wannsee, um Pferdeäpfel in einen Eimer zu schaufeln. Nein, keine Sozialstunden! Es handelt sich um StudentenBiogas1 Web der Beuth Hochschule für Technik aus dem Fachbereich Regenerative Energien. Sie arbeiten an einem Forschungsprojekt, um einen kostengünstigen und prozessoptimierten Textil-Reaktor, mit dem aus Pferdemist Biogas produziert wird, weiterzuentwickeln.
Seit Anfang des Jahres steht, oder vielmehr liegt der so genannte Schlauchreaktor in einem Stall des Reittherapiezentrums am Don-Bosco-Steig. Täglich wird der Reaktor mit fünf Kilogramm Pferdeäpfeln – übrigens nur ein geringer Teil, den die rund 20 Pferde des Zentrums am Tag produzieren – „gefüttert“ wie es die Initiatorin und Leiterin des Projektes Prof. Dr. Janet Nagel liebevoll umschreibt. Der Reaktor hat ein maximales Volumen von 0,25 Kubikmetern. Da er den Aufbau einer Zahnpastatube hat, kann man die Maße zwar nicht genau bestimmen – aber er ist ca. zwei Meter lang und hat einen maximalen Durchmesser von 0,8 Meter. Der Reaktor, der im Übrigen komplett aus Kunststoff hergestellt wird, ist in Hanfmatten eingepackt, um ihn schön warm zu halten und die Prozesse der Fermentation, also der mikrobiellen Umwandlung organischer Stoffe in Gas, zu fördern.

Der Volumenstrom des produzierten Gases wird von den Studenten regelmäßig gemessen. Weitere Forschungsfragen sind, warum der Prozess so gut funktioniert und welche Einflussfaktoren es gibt. „Wenn wir die Einflussfaktoren kennen, können wir uns überlegen, wie wir diese verändern, um den Prozess noch besser zu gestalten“, erklärt Janet Nagel. Der ausgeschiedene Gährrest, der ebenfalls analysiert wird, kann übrigens prima als Dünger in Gärten oder auf Äckern ausgebracht werden, weil er noch Phosphate, Stick- und Nährstoffe enthält, allerdings nicht mehr riecht wie die Pferdeäpfel.
Die Investitionskosten für einen konventionellen Reaktor für Biogasanlagen, z.B. aus Stahlbeton, belaufen sich bei einer Leistung von 30 Kilowatt auf rund 270.000 €. Da es sich bei dem Reaktor im Reittherapiezentrum um einen Versuchsreaktor handelt, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts über die Kosten gesagt werden. Die Abschätzung dieser erfolgt in einem bevorstehenden Forschungsprojekt, das bei der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe bereits beantragt ist. Man kann aber davon ausgehen, dass die Investitionskosten weit unter den oben genannten Kosten eines herkömmlichen Reaktors liegen.
Das Reittherapiezentrum stellt nicht nur die Räumlichkeiten und den Einsatzstoff, die Pferdeäpfel, zur Verfügung, sondern steht den Studierenden bei technischen Umsetzungsfragen mit Rat und Tat zur Seite.
Das Reittherapiezentrum hat leider nicht die Möglichkeit, das produzierte Biogas zu speichern und entsprechend zu nutzen. Und doch ist der Schlauchreaktor, der auch mit herkömmlichen Bioabfällen – wie sie für gewöhnlich im Kompost landen – betrieben werden kann, eine innovative Methode zur Energieerzeugung.
„Ich gehe davon aus, dass das Reittherapiezentrum mit dem produzierten Biogas nicht nur seinen eigenen Energiebedarf decken könnte, sondern den von einigen Nachbarn gleich noch mit“, sagt Janet Nagel. In einer Welt, in der Ressourcen endlich sind, ist der Schlauchreaktor eine prima Methode, Energie zu produzieren. Allerdings: „Jeder findet die alternative Energiegewinnung durch Windräder spitze – doch niemand möchte eines vor dem eigenen Haus stehen haben. Ähnlich dürfte es sich bei der Methode mit den Pferdeäpfeln verhalten“, weiß Janet Nagel.