Experte erwartet weniger Wildschweine in Wohngebieten

Zehlendorf. Vor wenigen Wochen haben Wildschweine einen Garten an der Riemeisterstraße in unmittelbarer Nähe des Fischtalparkes verwüstet. Und obwohl dies der einzige bekannte Vorfall Fischtal1 Webdieser Art in letzter Zeit gewesen ist und die Wildschweine aufgrund des zu nassen Sommers genug Nahrung im Wald finden sollten, kann es aber dennoch immer wieder zu solchen Vorfällen kommen, wie Derk Ehlert, Wildtierexperte und Sprecher des Senats für Umwelt, erklärt.
„Das Fischtal und der Park sind in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder heimgesucht worden“, sagt der Fachmann. Insbesondere die Lage des Tals, weil es tief liegt und damit feuchter als die Umgebung und erst Recht als der Wald ist, sei für Wildschweine sehr attraktiv, so Ehlert.
Der Fischtalpark ist stets gut besucht: Spaziergänger und Jogger, Eltern mit ihren Kindern und Hundehalter sind hier unterwegs. „Ich gehe hier seit Jahren regelmäßig in der Früh oder am Abend joggen“, sagt eine Anwohnerin. „Wildschweine sind mir noch nicht begegnet.“ Das passt aber auch zu Ehlerts Erkenntnissen: „Wenn die Tiere kommen, dann kommen sie bevorzugt nachts aus dem Grunewald und ziehen sich auch wieder dahin zurück.“

Die durchaus erfinderischen Tiere nutzten dabei oft verschlungene Pfade wie U-Bahn-Trassen oder dicht bewachsene Grünstreifen, so dass es nicht so oft zu Begegnungen mit dem Menschen kommt wie man glauben mag. Zwar kehrten die Tiere nicht regelmäßig an einen Ort zurück. Jedoch: „Es gibt Tiere, die sich tatsächlich daran erinnern, dass es an einem Ort spannend war und gut gerochen hat und die kehren dann unter Umständen tatsächlich wieder dahin zurück.“ So käme es, speziell auch an der Riemeisterstraße, immer wieder zu den eingangs erwähnten Schäden. Zu den letzten größeren Verwüstungen und häufigen Sichtungen über einen längeren Zeitraum hinweg sei es im Fischtal allerdings vor sechs oder sieben Jahren zuletzt gekommen, berichtet Ehlert. „Es war in jedem Fall in einem Jahr mit einem sehr warmen und sehr trockenen Sommer.“
In Berlin wurden in der vergangenen Jagdsaison insgesamt 1665 Wildschweine erlegt – davor waren es 1367. Aufgrund dieser Zahlen wird übrigens auch die Gesamtpopulation geschätzt: „Aus diesen Zahlen und den Zahlen der überfahrenen Tiere in einer Saison wird versucht, den Gesamtbestand zu schätzen“, verrät Ehlert. Zurzeit geht man davon aus, dass in Berlin – in den Waldgebieten und Parkanlagen – 3000 bis 4000 Wildscheine leben. Im Jahr 2004 sollen es aber auch schon einmal knapp 10000 gewesen sein. Die meisten von ihnen tauchen logischerweise in den Bezirken am Stadtrand auf. Ehlert nennt Reinickendorf, Köpenick, Pankow und Steglitz-Zehlendorf als die Bezirke, in denen es vermutlich am häufigsten zu der Begegnung von Mensch und Tier käme.
Fachleute raten im Übrigen dazu, Grundstücke mit mindestens 1,50 Meter hohen Zäunen zu umranden, die zudem mindestens 40 Zentimeter in die Erde ragen sollten. Auch auf das Wegwerfen von Nahrungsresten auf Komposthaufen im Garten solle verzichtet werden.
Abschließend hat Derk Ehlert noch einen Tipp für die „gar nicht so seltene“ Begegnung eines Hundehalters mit einem Wildschwein – wenn auch der Mensch diesen Tipp nicht gerne hören mag: „Grundsätzlich ist es ein friedliches Miteinander. Man muss nur darauf achten, den Tieren nicht zu nah zu kommen. Und Hundehalter sollten ihre Tiere anleinen – auch in Hundeauslaufgebieten, wenn es dort Wildschweine gibt. Und wenn Hund und Wildschwein miteinander streiten, sollte der Mensch niemals dazwischen gehen.“