Fußballprojekt vereint Mädchen aus unterschiedlichen Kiezen

Berlin. Sechs junge Menschen, fünf so genannte Teach First Fellow und eine Sportlehrerin, haben an sechs Schulen in Berlin das Kieze kicken WebProjekt „Kieze kicken“ initiiert. Das vordringlichste Ziel: Junge Mädchen über den Sport zu gewinnen und sie mit den Lebenswirklichkeiten anderer Mädchen aus anderen Kiezen vertraut zu machen. Mit dabei: die Thomas-Mann-Oberschule aus dem Märkischen Viertel.
Philipp Poppe ist hier seit 2010 der Teach First Fellow. Er unterstützt Lehrer im Unterricht, initiiert und betreut AGs wie den Hausaufgabenklub oder jetzt das Projekt „Kieze kicken“. Teach First Deutschland ist eine gemeinnützige Bildungsinitiative, die sich für Chancengerechtigkeit in der Bildung einsetzt und die Schulbildung von weniger privilegierten Kindern und Jugendlichen fördert.
„Unser vordringlichstes Ziel ist es, mit diesem Projekt vorherrschende Klischees über Menschen in anderen Kiezen abzubauen“, erklärt Poppe. „Es gibt nach wie vor Ost-/Westklischees. Alles Fremde ist zunächst einmal komisch. Die Mitschülerin mit bestimmten ethnischen Wurzeln ist völlig normal und alltäglich – das fremde Mädchen aus Neukölln mit den gleichen Wurzeln und dem gleichen Aussehen wird als komisch und anders empfunden“, berichtet Poppe seine Erfahrungen. Darüber hinaus möchte man mit diesem Projekt Mädchen für den Sport gewinnen – etwas, das Vereinen insbesondere bei heranwachsenden Mädchen zunehmend schwer fällt. Spaß an Bewegung, Fairplay, Stärkung des Selbstbewusstseins durch gemeinsame Erfolgserlebnisse, Teil eines Teams, einer Gemeinschaft zu sein, sind weitere Ziele. „Die Mädchen zu bewegen, freiwillige Angebote anzunehmen, sich über den Schulalltag hinaus zu engagieren, ist uns ebenso wichtig“, ergänzt Poppe. Rund 70 Mädchen konnten seit Schuljahresbeginn an den sechs Schulen in Neukölln, dem Wedding, Hohenschönhausen und eben dem Märkischen Viertel für das Projekt gewonnen werden.
Es wird aber nicht nur gekickt. Auf einer gemeinsamen Weihnachtsfeier sollen weitere Bande geknüpft und Vorurteile abgebaut werden. Initiatorin Annika Engels, First Fellow an der Fritz-Reuter-Oberschule in Hohenschönhausen, erinnert sich an eine gemeinsame Fahrt nach Neukölln: „Ein Mädchen fragte mich, nachdem wir einige Zeit gefahren waren, ob wir überhaupt noch in Berlin seien. Und als wir dann ankamen: die Häuser, die Menschen – alles sah für meine Mädchen so anders aus. Als kämen sie in eine andere Welt.“
Das Projekt ist zunächst zeitlich befristet und endet mit dem Schuljahr. Allerdings ist angedacht, „Kieze kicken“ durch zusätzliche Förderungen eventuell zu verlängern und gar auszuweiten. So haben sich die sechs Initiatoren mit ihrem Projekt beim Deutschen Fußballbund (DFB) um einen Integrationspreis beworben und sind bereits jetzt unter die besten 10 Schulprojekte Deutschland weit gewählt worden. In diesen Tagen fällt nun die Entscheidung, ob man einen der vorderen Ränge belegen und auf eine finanzielle Förderung des DFB hoffen darf. Annika Engels abschließend: „Es wäre toll, wenn wir nicht nur weitermachen, sondern noch mehr Schulen für das Projekt begeistern könnten. Es gibt für die Mädchen noch viele weitere Welten in Berlin zu entdecken.“
Nähere Informationen zum Projekt erhalten Interessierte unter der E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.