Ruder-Revival nach 40 Jahren

Rudern3 WebTegel. Es fegte ein böiger Wind über den Tegeler See, als sich am Sonnabend, 22. September acht Ruderer in ihr Boot wagten, um ein paar Schläge zu absolvieren.
Allerdings waren dies keine gewöhnlichen Ruderer. Es handelte sich um die Athleten, die 1972 bei den Deutschen U17 Jahrgangsmeisterschaften völlig überraschend und zum ersten Mal in der Geschichte vom Ruder-Club Tegel den Titel erringen konnten. Fortan sollte dieser Jugendachter die Ruderszene für die nächsten drei Jahre dominieren. Und nun – 40 Jahre später – trafen sich die Ruderer der Jahrgänge 1956 und 1957 erneut, um in Erinnerungen zu schwelgen und eine kleine Strecke im Achter zurück zu legen. „Ich erinnere mich, dass es damals auf dem Baldeneysee in Essen auch ziemlich windig gewesen war“, erklärte Lutz Redlinger, Mitglied des Achters und heute Sportwart im RC Tegel. „Aber da wir ja stets auf dem Tegeler See trainiert hatten, wo man häufiger mal einen leichten Wellengang hat, waren wir wind- und wetterfest genug, um mit dieser Witterung damals auch klar zu kommen.“


Das Besondere am Tegeler Ruderachter war, dass er 1972 als krasser Außenseiter in das Rennen gegangen ist. „Wir waren damals alle mehr oder weniger einen Kopf kleiner als unsere Gegner aus Frankfurt“, erinnerte sich Redlinger. Zudem hatte es Erfolgstrainer Jürgen Bork geschafft, aus einem bunten Haufen unterschiedlichster Charaktere, eine Einheit zu formen, wie es im heutigen Leistungssport vermutlich nicht mehr möglich ist. „Ich bin überzeugt, dass die tolle Gemeinschaft, die wir hatten und haben, ein ausschlaggebender Grund für unseren Erfolg war“, ist sich Redlinger sicher. Zudem habe es Bork verstanden, mit einem zur damaligen Zeit ganz neuen Konzept aufzuwarten: Entgegen der vorherrschenden Trainingslehre habe er mit seinen Junioren auch die Langstrecke und nicht nur die Kurzstrecke trainiert. „Das war letztlich unsere Stärke – das wir zum Ende eines Rennens von hinten kamen, während unsere Gegner konditionell eingebrochen sind.“ Zwar konnte Trainer Bork dem Wiedersehen nicht beiwohnen. Aber zumindest hatte er sich an diesem Sonnabend telefonisch aus dem beschaulichen Freiburg bei seinen Jungs melden können.
Die Mitglieder des Ruderachters leben heute alle noch in Berlin oder Brandenburg. Nur einen von ihnen hat es in die Ferne verschlagen: Andreas Nickel lebt in den USA, hat es bislang aber immer geschafft, zu jedem Wiedersehen zu erscheinen. „Solange wir gesund sind, werden wir uns in regelmäßigen Abständen immer wieder treffen und auch auf den See hinaus rudern“, ist Lutz Redlinger überzeugt. Da dieses Boot auch 1974 die Deutsche Jugendmeisterschaft erringen konnte – und zwar am selben Tag, an dem die deutsche Fußballnationalmannschaft Weltmeister geworden war – steht der Termin für das nächste Treffen schon fest: „Prima, oder? So können wir uns 2014 noch einmal zu einem 40-jährigen Jubiläum treffen.“