Füchse Berlin wollen mit Vereinsheimneubau das Klubleben konzentrieren

Die Füchse Berlin Reinickendorf, mit rund 2800 Mitgliedern in 19 Abteilungen einer der größeren Sportvereine in Berlin, erwarten Steffel Webnicht zuletzt auch aufgrund ihres Vereinsheimneubaus am Freiheitsweg ein ereignisreiches Jahr 2013. Grund genug, dass sich ihr Präsident Dr. Frank Steffel in einem Interview einigen Fragen stellte.

Die Handballer der Füchse haben durch die Erfolge der letzten Jahre ihren Klub europaweit wieder zu einer Marke gemacht. Wie schaffen Sie den Spagat, die Handballmänner in der europäischen Spitze zu etablieren, ohne dabei das Gros Ihrer Mitglieder und den Breitensportgedanken aus den Augen zu verlieren?

Dr. Frank Steffel: Kinder- und Jugendarbeit sowie der gesamte Bereich des Breitensports sind das Wesen eines Vereins und werden bei uns stets im Mittelpunkt stehen. Allein unser Standort verpflichtet uns dazu, auch einen Beitrag zur Integration und Erziehung zu leisten. Wir wollen Kindern und Jugendlichen neben ihrem Elternhaus eine zweite Heimat geben. Profisport ist ein positives Abfallprodukt – er darf aber niemals der Sinn eines Sportvereins sein.

Dazu soll sicherlich auch das neue Vereinsheim beitragen, das noch in diesem Jahr am Freiheitsweg entstehen wird?

Das ist richtig! Wir werden mit Unterstützung des Bezirks und des Landes Berlin für insgesamt rund 1,5 Millionen Euro im Februar mit dem Bau beginnen, im März Grundsteinlegung haben und das Vereinsheim dann im Spätherbst in Betrieb nehmen.

Ihre Handballer haben sich auf die Fahne geschrieben, ein Team zu sein, das ganz Berlin vertritt. Kann es dennoch gelingen, das Vereinsleben am Freiheitsweg zu konzentrieren?

Aus meiner Sicht: Ja! Unsere Mitglieder sind stolz auf ihre Handballer, die in regelmäßigen Abständen auch die sportlichen Wettkämpfe anderer Abteilungen oder Reinickendorfer Schulen besuchen. Es ist aber auch wichtig, dass wir in Berlin einen Verein, der international spielt, als Hauptstadtverein präsentieren. Ich glaube im Übrigen, dass wir es im Gegensatz zu anderen Profisportvereinen in Berlin geschafft haben, Zuschauer aus Ost und West anzusprechen.

Unter dem Strich halte ich es aber für viel entscheidender, dass die Mitglieder wissen: Wir gehören alle zusammen.

Ist es in diesem Zusammenhang nicht unbefriedigend, dass die Handballmänner ihre Heimspiele in Pankow, die Frauen in Charlottenburg und die Junioren in Hohenschönhausen austragen?

Zum einen muss ich sagen, dass wir an allen drei Standorten großartige Rahmenbedingungen vorfinden. Zum anderen wäre es mir natürlich am liebsten, alle Teams in einer 10.000 Zuschauer fassenden Halle am Freiheitsweg spielen zu lassen. Das ist utopisch. Dort aber noch eine Sporthalle mit 1000 Plätzen zu errichten, mag aufgrund der Finanzierung schwierig, aber nicht ganz unrealistisch sein.

Nach ihrem Durchmarsch durch die 3. Liga spielen ihre Handballfrauen bis dato auch in der 2. Bundesliga eine gute Rolle. Kann im Frauenhandball ähnliches entstehen wie im Berliner Männerhandball?

Ich denke, dass unsere Frauen mittelfristig auch in der 1. Bundesliga spielen können. Wir wünschen uns das und unterstützen das auch nach Kräften. Allerdings finde ich es wahnsinnig traurig, dass sich der Frauensport generell in der Refinanzierung so schwer tut. Wenn wir über Quoten in DAX-Vorständen und Aufsichtsräten reden, kann ich nur an die Wirtschaft appellieren, mal über eine Quote im Sportsponsoring nachzudenken. Die Bereitschaft, in den Frauensport zu investieren, ist leider verschwindend gering.

In der Vergangenheit ist in Ihrem Klub, speziell in der Fußballabteilung, einiges schief gelaufen. Es wurden Spieler verpflichtet, die mit wenig Herzblut, dafür aber einem umso größeren wirtschaftlichen Interesse agierten. Gehören diese Zeiten der Vergangenheit an?

Definitiv. Ich lehne dieses Söldnertum kategorisch ab. Als ich im Mai 2005 Präsident wurde, gab es allein in dieser Abteilung Verbindlichkeiten in Höhe von rund 200.000 Euro – für Träume und Illusionen, denen jede Form von Realität fehlte. Dabei machen wir auch im Fußball schon seit Jahren eine großartige Jugendarbeit. Unser Hauptaugenmerk wird sein, diese jungen, ehrgeizigen Spieler in den Herrenbereich zu integrieren.

Was wünschen Sie sich für das neue Jahr?

Es wäre schön, wenn wir bei den Mitgliederzahlen die 3000er Marke durchbrechen. Ansonsten freue ich mich natürlich darauf, dass wir mit der Fertigstellung des Vereinsheims ein neues zu Hause haben werden, in dem sich Menschen treffen und Jugendliche wohlbehütet gemeinsam ihre Freizeit verbringen können.