Trainer Izzet Mafratoglu ist „Freiwilliger des Jahres“

Berlin. Boxtrainer Izzet Mafratoglu ist im Rahmen des 6. Berliner Stiftungstages als „Freiwilliger des Jahres“ ausgezeichnet worden. Boxen Alisch WebDer 51-jährige, zweimalige Deutsche Meister wurde für seine Initiative „Wir aktiv. Boxsport & mehr“, die von der Gewobag Stiftung Berliner Leben unterstützt wird, und sein herausragendes Engagement für Kinder und Jugendliche geehrt.
Im Jahr 2005 hatte Mafratoglu, der bis dato 49 Jahre seines Lebens im Norden Schönebergs verbracht hat, in „seinem Kiez“ die Sportschule Isigym Boxsport Berlin e.V., die sich in der Potsdamer Straße 152 über zwei Etagen erstreckt, gegründet. „Die meisten Menschen hier im Kiez kennen mich seit vielen Jahren. Deshalb wissen sie, dass sie mir ihre Kinder ruhigen Gewissens anvertrauen können“, sagt der dreifache Familienvater. Rund 250 Mädchen und Jungen trainieren zurzeit im Rahmen des Projektes in der Sportschule. Und in knapp zehn Jahren durften die Nachwuchsboxer aus Nord-Schöneberg schon 15 Deutsche Meistertitel bejubeln. Aber der sportliche Erfolg ist nicht alles wie Mafratoglu zu berichten weiß: „Die Kinder lernen bei uns Fleiß und Disziplin, einen respektvollen und fairen Umgang miteinander, den sie im Kiez, in unserer Gesellschaft fortführen sollen. Der Sport macht sie selbstbewusst, auch für das Leben dort draußen. Ich sage immer: Der eigentliche Boxkampf ist das Leben selbst.“


Und so hat Mafratoglu in all den Jahren mit unendlich vielen jungen Menschen zusammengearbeitet: mit Kindern aus sozial Boxen Mafratoglu Webschwachen Familien, von denen das eine oder andere heute sogar studiert, mit behinderten Kindern, mit misshandelten Kindern. Einen seiner größten Erfolge erlebte der Boxtrainer mit einem minderjährigen, schwer drogenabhängigen Junkie, der ihn eines Tages um Hilfe bat. Mafratoglu nahm den jungen Mann mit ins Training und half ihm, mit dem Boxen von den Drogen loszukommen. „Er hat sogar mit dem Rauchen aufgehört“, sagt Mafratoglu mit einem Augenzwinkern. Doch die Geschichte ist damit noch nicht zu Ende: Irgendwann kam der Vater des Exjunkies und bot Mafratoglu sehr viel Geld für seine Hilfe. Doch dieser lehnte ab: „So etwas kann man mit Geld nicht bezahlen. Bei dem, was wir hier tun, geht es um mehr, um sehr viel mehr.“ Vertrauen und Freundschaft – sagt Mafratoglu – seien für ihn die wichtigsten Dinge, im Sport wie im Leben. Und so kann ein Arbeitstag auch schon mal bis zu 18 Stunden dauern. Und dennoch wäre diese Arbeit ohne Unterstützung – auch die von eifrigen Eltern und Weggefährten – in dieser Form nicht möglich: „Ohne die Gewobag und ihre Stiftung Berliner Leben könnten wir das hier nicht tun“, weiß Mafratoglu. „Dort hat es zu Beginn zwar Bedenken gegeben, Boxen sei einfach nur brutal. Doch wir haben sie schnell von unserer Philosophie und vom totalen Gegenteil überzeugen können.“
Die Auszeichnung zum „Freiwilligen des Jahres“ habe Izzet Mafratoglu stolz gemacht, weil sie Anerkennung seiner Arbeit sei. So richtig zufrieden scheint er aber nie zu sein: „Es gibt immer noch neue und größere Herausforderungen, denen ich mich stellen möchte. Wenn man mit dem Erreichten irgendwann zufrieden ist, blockiert man sich selbst und bleibt einfach stehen. Und ich möchte nicht stehen bleiben.“