Berlin: Intoleranz als Ergebnis eines fehlenden Dialogs

Am 29. September wurde zum mittlerweile 13. Mal ein interreligiöses Fußballspiel zwischen Pfarrern und Imamen ausgerichtet. Die Idee, dieses Match zu initiieren, war und ist, die Vielfalt und Pfarrer Imame1 Webdie Toleranz in den Mittelpunkt zu stellen, das Miteinander und den Dialog zu fördern, Vorurteile abzubauen. Diese Gedanken sind nicht nur für Berlins Fußballer in Zeiten der Özil-Debatte und den Rassismus-Vorwürfen gegen den Deutschen Fußballbund (DFB) oder den Ereignissen in Chemnitz – um nur einiges zu nennen – aktueller denn je.
Begleitet wurde diese Partie durch ein Fairplay-Turnier für Kinder und Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund, das im Rahmen des vom Berliner Fußball-Verband (BFV) initiierten Projektes FUSSBALL GRENZENLOS durchgeführt wurde. Veranstalter waren der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg, das Berliner Missionswerk / Ökumenisches Zentrum, die Initiative Berliner Muslime, die Islamische Föderation in Berlin, der BFV und die Anglikanische Kirche (St. Georges) zu Berlin. Die Partie gewannen die Imame mit 2:1. Viel wichtiger aber war, dass mit dieser Veranstaltung und einer abschließenden Podiumsdiskussion zum Dialog aufgefordert und für Vielfalt geworben wurde – nicht aber, ohne auch Probleme wie Intoleranz und Rassismus anzusprechen.


„Dieses Fußballspiel ist ein Zeichen des Dialogs zwischen den Religionen, an dem sich unsere Gesellschaft ein Beispiel nehmen muss“, betonte Burhan Kesici, Generalsekretär des Islamrates für die Bundesrepublik Deutschland. „Muslimfeindliche Bemerkungen sind leider immer noch Alltag und das auf und neben dem Platz.“ Dass die Probleme von Diskriminierung und fehlender Toleranz weiterhin groß sind, weiß auch Mehmet Matur, Mitbegründer dieses Fußballspiels und Präsidialmitglied im BFV für Integration und Vielfalt. So sei die Debatte um Mesut Özil längst an der Basis angekommen und habe dort zu großer Verunsicherung unter den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund geführt. „Ich spreche viel mit den Eltern, aber auch den Kindern. Sie haben natürlich Angst vor Rassismus auf dem Fußballplatz. Aber sie verstehen auch nicht, wie ein einzelnes Foto die Existenz eines Fußballers beeinträchtigen kann. Und dann haben sie ganz konkrete Befürchtungen: Werde ich vielleicht nicht mehr für die Auswahlmannschaften berufen, wenn ich Urlaub in der Türkei mache?“ Matur macht dafür auch die Spitze des Deutschen Fußballbundes mitverantwortlich: „Hätte man da frühzeitig und klar Stellung bezogen, wäre uns vieles erspart geblieben. Das ist auch etwas, das wir von unseren Trainer, Betreuern und Funktionären erwarten: Offen über alles reden, den Dialog führen, sich hinter die Spieler stellen.“ Zudem hätten auch die Anfeindungen gegen Berliner Fußballklubs, die viele Spieler mit Migrationshintergrund in ihren Reihen haben, bei überregionalen Partien wieder deutlich zugenommen. „Früher war Rassismus oft sehr subtil. Heute schlägt uns mitunter der blanke Hass entgegen“, berichtet Matur und zieht ein ernüchterndes Fazit: „Ich lebe seit 1970 in Deutschland und habe immer wieder erlebt, dass es auch im Fußball und am Rande zu Rassismus kommt. Aber so schlimm wie jetzt war es noch nie.“ Doch was ist zu tun? Mehmet Matur abschließend: „Wir müssen Probleme wieder rechtzeitiger thematisieren und klar Stellung beziehen. Und wir müssen viel mehr miteinander reden, nicht immer nur übereinander.“