Westend: Mitgliederversammlung bei Tennis Borussia vorverlegt

Sportlich läuft es bei Tennis Borussia Berlin richtig gut: Das Team hat auf Platz zwei der Oberliga überwintert – der Gewinn der Meisterschaft und der Regionalliga-Aufstieg sind durchaus möglich.TeBe1 Mitglieder Web Zudem haben die Veilchen im Pokal das Viertelfinale erreicht. Und doch brodelt es hinter den Kulissen.
Nachdem der Klub in der Vergangenheit immer wieder große finanzielle Probleme hatte und zwei Mal in die Insolvenz gegangen war, befürchtet ein Großteil der Fans, dass es erneut zu einer Fehlentwicklung kommen könnte. Kritisiert wird unter anderem der Führungsstil vom Vorstandsvorsitzenden Jens Redlich, der auch geschäftsführender Gesellschafter von TeBe-Großsponsor Crunch Fit ist. Es soll in den letzten Monaten nicht nachvollziehbare Entlassungen und personelle Veränderungen im zurzeit kommissarisch tätigen Aufsichtsrat gegeben haben, die bei vielen Mitgliedern zumindest Fragen aufgeworfen haben. Darüber hinaus würde Redlich mit der Fanszene, bundesweit für ihre linke Ausrichtung bekannt, „fremdeln“, wie es heißt. Der Fokus liege mittlerweile zudem viel zu sehr auf den 1. Herren, nicht mehr auf der Breite, die einst für herausragende Nachwuchsarbeit, Vielfalt und auch den besten Mädchen- und Frauenfußball der Stadt bekannt war. Und natürlich ist die Angst groß, dass sich der Klub mal wieder zu sehr in die Abhängigkeit von zu wenigen und damit zu mächtigen Geldgebern begebe – wenn letzteres nicht ohnehin schon längst wieder passiert ist.


Aus diesen Gründen hatte die Abteilung Aktive Fans eine außerordentliche Mitgliederversammlung gefordert. Der Vorstand des Klubs hatte sich daraufhin dazu entschlossen, die geplante ordentliche Mitgliederversammlung vom 13. März auf den 30. Januar vorzuverlegen. Zudem haben Vorstand, Ältestenrat und kommissarischer Aufsichtsrat in einem offenen Brief auf den wachsenden öffentlichen Unmut reagiert. Darin wird unter anderem auf den derzeitigen sportlichen Erfolg, auch einiger Jugendteams, verwiesen, und auf die Tatsache, dass die finanzielle Grundlage dafür „wesentlich durch den TeBe-Sponsor Crunch Fit“ bereitgestellt werde. Verunglimpfungen und Falschinformationen über einzelne Vorstandsmitglieder oder Vereinsgremien würden dieses Sponsoring in der Zukunft grundsätzlich gefährden. „Ohne die tatsächlichen Leistungen des Vorsitzenden sind die bisherigen und zukünftigen Erfolge von Tennis Borussia nicht möglich.“
Ein wenig klingt das wie die so oft zitierte Pistole auf der Brust. Fakt ist: Eine Regionalliga-Rückkehr, um an dieser Stelle noch gar nicht von höheren Zielen zu sprechen, ist ohne ein vernünftiges, solides Sponsoring nicht möglich. Fakt ist aber auch: TeBe hat, neben seiner großen Tradition, ein Pfund, das man sich für kein Geld der Welt kaufen kann: die Liebe seiner Fans! Und die sollte man wahrlich nicht aufs Spiel setzen.
Währenddessen versucht die Oberliga-Mannschaft, diese Begleitumstände auszublenden und sich intensiv auf die Rückrunde vorzubereiten, die am 24. Februar mit dem Derby beim SC Staaken beginnen wird. Dann könnten mit Enes Aydin und Bjarne Rogall auch zwei Spieler den Dress der Veilchen tragen, die der Klub in diesen Tagen verpflichtet hat. Der 22-jährige Abwehrspieler Aydin spielte zuletzt beim Regionalligisten Berliner AK. Der 29-jährige Rogall ist Torwart und hütete zuletzt den Kasten beim Regionalligisten FSV Optik Rathenow.